Iranian War Illustration Art Image, War of Iran, war crisis, gulf crisis. Source: Shutterstock

Die Logik des Präventivschlags: Warum Teheran sich entscheiden könnte, zuerst zuzuschlagen

In den Machtzentren Teherans nehmen weitreichende strategische Überlegungen Gestalt an. Über Jahrzehnte beruhte die strategische Doktrin der Islamischen Republik auf einer einfachen Annahme: zunächst den ersten Schlag hinnehmen und sich anschließend mit aller Macht verteidigen. Gleichzeitig hielt das Regime konsequent an der Darstellung fest, der Krieg sei ihm aufgezwungen worden. Unter den gegenwärtigen angespannten Bedingungen beginnt die Führung jedoch, diese Doktrin zunehmend infrage zu stellen. Nach dem überraschenden Krieg im vergangenen Jahr und dem verheerenden Konflikt dieses Jahres, einschließlich des Zwölftagekriegs mit Israel und des anschließenden 40-tägigen Krieges unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, bei denen die iranische Führung selbst ins Visier genommen wurde, offenbarte sich eine tiefgreifende Verwundbarkeit des Regimes. Diese Erkenntnis hat die Führung zu dem Schluss gebracht, dass es bei einem weiteren Angriff erheblich schwieriger werden könnte, die Lage unter Kontrolle zu halten, wenn sie erneut abwartet. (Wikipedia, o. J.-b)

Die geschwächte Verteidigung: Militärische Verwundbarkeit und der Verlust der Abschreckungsfähigkeit

Zu Beginn des Zwölftagekriegs richteten sich israelische Luftangriffe gegen einen erheblichen Teil der hochrangigen iranischen Militärführung. Israel erklärte, etwa 30 iranische Kommandeure und elf Atomwissenschaftler getötet zu haben. Die psychologischen Auswirkungen waren enorm. Die ranghöchsten Militärvertreter des Regimes, also genau jene Personen, die die Verteidigung des Iran koordinieren sollten, wurden ins Visier genommen, bevor sie auch nur einen einzigen Befehl erteilen konnten. (Reuters, 2025).

Nachdem Israel und die Vereinigten Staaten die Sicherheitslücken und militärischen Schwachstellen der Islamischen Republik erkannt hatten, führten sie am 28. Februar 2026 einen koordinierten Angriff durch. Dabei kamen mehrere Tonnen schwere bunkerbrechende Bomben zum Einsatz, mit denen der Gebäudekomplex zerstört wurde, in dem sich die iranische Führung aufhielt. Bei dem Angriff wurde Ajatollah Ali Khamenei, der Oberste Führer der Islamischen Republik, getötet. Für Teheran war die Lehre aus zwei kurzen, aber verheerenden Kriegen unmissverständlich: Wenn das Land an seiner bisherigen Strategie festhält, keinen Krieg selbst zu beginnen, läuft es Gefahr, erneut unvorbereitet getroffen zu werden. Diesmal könnten die Führung und die gesamte Machtstruktur des Regimes ins Visier geraten, während sich seine Gegner möglicherweise mit nichts Geringerem als dessen Zusammenbruch zufriedengeben würden. (Al Jazeera, 2026).

Diese Befürchtung ist keineswegs rein hypothetisch. Berichten zufolge haben die Vereinigten Staaten Israel grünes Licht gegeben, eigenständig einen Präventivschlag gegen den Iran durchzuführen. Gleichzeitig ist sich die Islamische Republik bewusst, dass ihre Gegner im Laufe der Zeit weitere sicherheitspolitische Vorwürfe gegen sie erheben könnten. Sollte Israel unter diesen Umständen zuerst angreifen, würde Teheran die Rechtfertigung verlieren, die es andernfalls für Angriffe auf Golfstaaten mit amerikanischen Militärstützpunkten anführen könnte, indem es diese als Vergeltung für einen vorausgegangenen Angriff darstellt.

Mit einem eigenen Erstschlag könnte der Iran hingegen die Deutungshoheit über das Geschehen gewinnen und sein Vorgehen als notwendige Verteidigungsmaßnahme gegen eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung darstellen. Aus dieser Perspektive erscheint ein Präventivschlag als einzige Möglichkeit, einen erneuten Überraschungsangriff zu verhindern: Der Gegner soll angegriffen werden, bevor er selbst handeln kann. (Informat.ro, 2026).

Wirtschaftliche Strangulierung sowie See- und Luftblockade

Die wirtschaftliche Lage im Iran ist äußerst angespannt. Die Landeswährung verliert nahezu täglich an Wert. Die Devisenreserven des Landes reichen möglicherweise nur noch für wenige Monate. Die Vereinigten Staaten haben einige der schärfsten See- und Luftverkehrssanktionen der Geschichte gegen den Iran verhängt, während auch die Transportwege über Land schrittweise immer stärkeren Beschränkungen unterworfen werden. Nach Aussagen von Vertretern des US-Finanzministeriums befindet sich der Iran erstmals in seiner Geschichte in einer Situation, in der er praktisch „kein Öl mehr auf See“ hat. Lediglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl befinden sich demnach noch an Bord von Tankern außerhalb der Blockadezone, in der Nähe von Singapur, Malaysia und China. Mit der „Operation Economic Outcast“ hat das US-Finanzministerium die iranische Schattenflotte ins Visier genommen. Durch Sanktionen gegen 17 Schiffe wurde ein Großteil jener maritimen Infrastruktur außer Gefecht gesetzt, die bislang eine entscheidende wirtschaftliche Lebensader des Landes darstellte. (Klein, 2026; U.S. Department of the Treasury, 2026).

Aus Teherans Sicht stellt diese wirtschaftliche Strangulierung bereits einen kriegerischen Akt dar. Das Überleben des Regimes hängt von seiner Fähigkeit ab, Erdöl zu verkaufen, doch genau diese Fähigkeit wird systematisch untergraben. Die Seeblockade wird durch einen amerikanischen Flugzeugträgerverband durchgesetzt. Der Flugzeugträger USS George Washington ist derzeit im Arabischen Meer stationiert. Unterdessen befindet sich die USS Theodore Roosevelt auf dem Weg in das Einsatzgebiet des US-Zentralkommandos (CENTCOM), während die USS George H. W. Bush und der Zerstörer USS Delbert D. Black die Region verlassen haben und sich auf dem Weg nach Thailand befinden. (CBS News, o. J.).

Für die Islamische Republik ergibt sich daraus ein begrenztes und möglicherweise nur kurz bestehendes Zeitfenster. Sich einem einzelnen Zerstörer entgegenzustellen, ist leichter, als es mit drei solchen Kriegsschiffen aufzunehmen. Teheran könnte daher zu dem Schluss gelangen, dass es günstiger wäre, noch vor Abschluss der Verlegung zusätzlicher Flugzeugträger einen Präventivangriff auf Ziele im Süden des Iran und dessen Umgebung zu führen, um die Seeblockade zu durchbrechen. Die dahinterstehende Logik ist einfach: Jetzt zuschlagen, solange die gegnerischen Streitkräfte noch nicht ihre größtmögliche Stärke erreicht haben.

Innenpolitischer Handlungsdruck: Eine gespaltene Bevölkerung hinter sich vereinen

Die Wirtschaftskrise des Iran ist nicht nur ein außenpolitisches Problem. Sie ist auch eine tickende Zeitbombe im Inneren des Landes. Angesichts sinkender Öleinnahmen und des zunehmenden Drucks durch internationale Sanktionen könnte das Regime mit einer neuen Welle öffentlicher Proteste konfrontiert werden, die durch die sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen ausgelöst wird. Die Erinnerung an die Proteste Anfang 2026, die die Islamische Republik an den Rand einer schweren Krise brachten, ist noch immer präsent.

Ein militärischer Angriff könnte daher aus Sicht des Regimes das wirksamste Mittel sein, um ein solches Szenario zu verhindern. Indem die Regierung angesichts der Bedrohung durch einen äußeren Feind an die nationale Einheit appelliert und die Bevölkerung hinter sich zu vereinen versucht, könnte sie künftige Proteste unterdrücken oder zumindest hinauszögern. Paradoxerweise könnte ein Krieg damit zum wirksamsten Instrument des Regimes werden, um sein innenpolitisches Überleben zu sichern. (Wikipedia, o. J.-a).

Ein solches Vorgehen wäre kein historischer Einzelfall. Autoritäre Regime nutzen häufig außenpolitische Konflikte, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von innenpolitischen Missständen abzulenken. Im Fall des Iran steht jedoch wesentlich mehr auf dem Spiel. Das Regime ist nicht nur unpopulär, sondern befindet sich in einer tiefgreifenden Legitimationskrise, die durch brutale Polizeieinsätze und den wirtschaftlichen Zusammenbruch zusätzlich verschärft wird.

Ein Präventivschlag, der als entschlossener Widerstand gegen die Aggression der Vereinigten Staaten und Israels dargestellt wird, könnte zumindest einen Teil der Gesellschaft hinter dem Regime vereinen, der sich andernfalls möglicherweise der Protestbewegung anschließen würde. Es wäre ein riskantes Kalkül. Aus Sicht des Regimes könnte es jedoch die einzige verbleibende Möglichkeit sein, mehrere Krisen gleichzeitig unter Kontrolle zu halten.

Die US-Zwischenwahlen und die Hoffnung auf politische Turbulenzen

Der Zeitpunkt eines möglichen iranischen Angriffs könnte auch von den für den 3. November 2026 angesetzten Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten beeinflusst werden. Teheran könnte diesen Zeitraum als günstige Gelegenheit betrachten, seine strategischen Ziele voranzutreiben. Die Islamische Republik könnte durch Angriffe während der Handelszeiten an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten stärkere Kursschwankungen auslösen und die wirtschaftliche Unsicherheit erhöhen. Ein solcher Konflikt würde die Preise für Rohöl der Sorte Brent in die Höhe treiben und letztlich auch zu steigenden Dieselpreisen in den Vereinigten Staaten führen. Teheran könnte anschließend versuchen, die Republikanische Partei für die daraus entstehenden wirtschaftlichen Probleme verantwortlich zu machen, in der Hoffnung, dass sie bei den bevorstehenden Wahlen den Demokraten unterliegt. Hinter diesem Kalkül steht die Erwartung, dass ein Wahlsieg der Demokraten in den USA die Kriegsgefahr für den Iran verringern könnte. (BBC.com, 2026).

Dabei handelt es sich um eine politisch komplexe Strategie. Solche Überlegungen verdeutlichen, dass Teheran die innenpolitischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten als möglichen Ansatzpunkt betrachtet, um seine eigenen strategischen Ziele zu verfolgen. Sollte ein Präventivschlag das Ergebnis der Zwischenwahlen zugunsten der Demokraten beeinflussen können, könnte dies letztlich zu einer weniger konfrontativen US-Politik gegenüber dem Iran führen oder sogar Bedingungen schaffen, unter denen ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump möglich würde.

Die Huthi und die Straße von Hormus

Die strategischen Überlegungen des Iran beziehen auch seine regionalen Stellvertreterkräfte ein. Die Huthi, die weithin als eine der wirksamsten Stellvertretergruppen des Iran gelten, haben eine Seeblockade gegen saudische Schiffe im Roten Meer angekündigt und hindern saudische Schiffe daran, das Rote Meer durch die Meerenge Bab al-Mandab zu verlassen. Diese Maßnahmen haben Saudi-Arabien erhebliche finanzielle Schäden, Schäden an der Infrastruktur und menschliche Verluste zugefügt. Zugleich haben sie die Sicherheit des Schiffsverkehrs an einer der wichtigsten strategischen Engstellen der Welt beeinträchtigt. (CBS News, o. J.).

Fazit

Zusammengenommen bilden diese Faktoren aus Sicht der Islamischen Republik eine scheinbar rationale Grundlage für die Erwägung von Präventivangriffen. Eine solche Strategie könnte mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen: die Schäden möglicher Überraschungsangriffe feindlicher Staaten zu begrenzen, den Verlust der Kontrolle über den Kriegsverlauf zu verhindern, die Wirtschaftsblockade zu durchbrechen und das politische sowie wirtschaftliche Umfeld in den Vereinigten Staaten zu destabilisieren. Damit wäre auch die Hoffnung verbunden, zu einer Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen beizutragen und letztlich Bedingungen zu schaffen, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump ermöglichen könnten.

Vielen mag diese Logik leichtsinnig oder sogar selbstmörderisch erscheinen. Doch die strategischen Überlegungen eines Regimes, das seinen Obersten Führer, hochrangige Militärkommandeure und seine wirtschaftliche Lebensader verloren hat, folgen anderen Maßstäben. Auf einen weiteren Angriff zu warten, würde bedeuten, einen Schlag gegen die Grundfesten des Regimes zu riskieren. Ein eigener Erstschlag hingegen könnte selbst bei geringen Erfolgsaussichten zumindest eine Chance auf das Überleben des Regimes bieten.

Die Islamische Republik handelt nicht aus einer Position der Stärke heraus. Ihre strategischen Entscheidungen sind vielmehr von Verzweiflung geprägt. Und gerade diese Verzweiflung könnte sie zu dem Schluss führen, dass der einzige Weg zur eigenen Rettung darin besteht, einen Krieg zu beginnen, von dem sie nicht sicher sein kann, dass sie ihn gewinnen wird.

Referenzen
Al Jazeera. (2026, February 28). Iran confirms Supreme Leader Ali Khamenei dead after US-Israeli attacks. https://www.aljazeera.com/amp/news/2026/2/28/irans-supreme-leader-ali-khamenei-killed-in-us-israeli-attacks-reports CBS News. (n.d.). [Live updates on the Iran war, Saudi Arabia, and the Houthis]. https://www.cbsnews.com/live-updates/iran-war-us-trump-saudi-arabia-houthi/ Informat.ro. (2026, October 11). The U.S. reportedly asked Israel to attack Iran on its own before the U.S. elections / American and Israeli officials deny the report. https://informat.ro/en/international/sources-us-allegedly-asked-israel-to-attack-iran-before-the-elections-143000 BBC.com. (2026, October 6). A simple guide to the US midterms. https://www.bbc.com/news/articles/c6wyz223j19po Breitbart News. (2026, October 4). ‘First time in history’: Bessent says Iran faces zero oil revenue this week—Tehran warns of economic crisis. https://www.breitbart.com/politics/2026/10/04/bessent-says-iran-faces-zero-oil-revenue-thisweek-tehran-warns-economic-crisis/amp/ Reuters. (2025, June 27). Israel killed 30 Iranian security chiefs and 11 nuclear scientists, Israeli official says. https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/israel-killed-30-iranian-security-chiefs-11-nuclear-scientists-israeli-official-2025-06-27/ U.S. Department of the Treasury. (2026, October 8). Operation Economic Outcast neutralizes Iranian regime’s remaining shadow fleet network. https://home.treasury.gov/news/press-releases/sb0653 Wikipedia. (n.d.-a). 2025–2026 Iranian protests. Retrieved October 20, 2026, from https://en.wikipedia.org/wiki/2025%E2%80%932026_Iranian_protests Wikipedia. (n.d.-b). Twelve-Day War. Retrieved October 20, 2026, from https://en.wikipedia.org/wiki/Twelve-Day_War
First published in: World & New World Journal
Fatima Jafarbegi

Fatima Jafarbegi

Fatima Jafarbegi ist Schriftstellerin und Forscherin und lebt in Teheran. Sie ist erreichbar unter fateme.beig1373@gmail.com

Sajad Ahanger

Sajad Ahanger

Sajad Ahanger ist ein in Kaschmir lebender, gelegentlicher Schriftsteller, Dichter und politischer Analyst.

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