Einleitung
Mit dem Aufkommen der Globalisierung hat ein Konflikt oder eine Entwicklung irgendwo auf der Welt Auswirkungen überall. Besonders verheerend sind die Folgen von Konflikten jedoch für Entwicklungs- oder arme Länder in der betroffenen Region, da sie in wirtschaftlicher, infrastruktureller und technologischer Hinsicht ohnehin verwundbar sind. Globale Interdependenz gilt zwar als Katalysator für das Wachstum der Weltwirtschaft, doch der jüngste Iran-Krieg hat die Schwächen dieses Phänomens offengelegt. Er zeigt, dass ein einzelner Konflikt zwischen Ländern mit erheblicher militärischer Macht die wirtschaftliche Struktur der Welt stören kann – etwa durch steigende Ölpreise, Stromengpässe infolge unterbrochener LNG-Exporte oder Turbulenzen im Industriesektor aufgrund von Treibstoffknappheit. Zusammengenommen tragen diese Faktoren weltweit zu einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Fortschritts bei.
Nach einer Reihe gescheiterter Verhandlungen über Irans nukleare Fähigkeiten und Raketenentwicklung in Maskat, Oman, sowie in Genf im Februar und nach wochenlangem militärischem Aufmarsch im Indischen Ozean griffen die USA und Israel iranische Militäranlagen an, töteten führende Militärs und attackierten die Residenz des iranischen Obersten Führers, Ajatollah Ali Khamenei. Dabei kamen Khamenei selbst sowie sein Sohn und weitere Familienangehörige ums Leben. Diese unprovozierten Angriffe lösten eine schwere Vergeltungsreaktion des Irans aus. Der Iran feuerte mehrere Raketen und Drohnen auf Israel ab und griff außerdem US-Militärstützpunkte sowie in der Region stationierte Truppen an.
Anschließend schloss der Iran die Straße von Hormus und stoppte den Transit durch die Meerenge mit sofortiger Wirkung. Um die Schließung der Meerenge abzusichern, legte der Iran Seeminen in der Wasserstraße aus und drohte Schiffen mit Zerstörung, sollten sie versuchen, ohne iranische Genehmigung zu passieren. Die Straße von Hormus als Waffe einzusetzen, war ein Schritt, mit dem der Iran der internationalen Gemeinschaft bereits oft gedroht hatte: Sollte der Iran angegriffen werden, werde die Meerenge umgehend geschlossen. Praktisch tat das Regime dies jedoch zum ersten Mal in seinen 47 Jahren.
Das Hormus-Dilemma
Die Schließung der Meerenge war der Schritt, der den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran zu einem Anliegen der internationalen Gemeinschaft machte – von Europa über Asien bis Afrika. Denn durch die Straße von Hormus laufen 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gashandels. Die Ölpreise stiegen von 72 Dollar vor dem Krieg auf einen Höchststand von 115 Dollar nach nur drei Kriegswochen. Dies veranlasste die G7-Staaten dazu, 400 Millionen Barrel Öl aus strategischen Ölreserven freizugeben. Zugleich gewährten die Vereinigten Staaten Russland und dem Iran Sanktionserleichterungen für Ölexporte in jene Länder, die vor dem Krieg Öl aus den Golfstaaten bezogen hatten. Diese Maßnahmen wurden ergriffen, um den stark steigenden Ölpreisen entgegenzuwirken.
Die Golfstaaten
Die Einstellung des Flugbetriebs und die Schließung von Flughäfen in der gesamten Region sind ebenfalls Folgen des Krieges und beeinträchtigen die Globalisierung erheblich. Irans Vergeltungsangriffe auf regionale Staaten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Saudi-Arabien und Bahrain, die US-Militärstützpunkte beherbergen, stellen nicht nur eine Ausweitung des Krieges dar. Sie schaffen auch eine alarmierende Lage für die Golfstaaten, die ihre Stellung als sicherer Investitionsstandort untergraben könnte.
Aus einer anderen Perspektive wirkt sich die Instabilität in den Golfstaaten indirekt auf die Entwicklungsländer der Region aus, darunter Pakistan, Indien, Nepal und Bangladesch. Millionen von Arbeitskräften aus diesen Ländern sind in den Golfstaaten beschäftigt und könnten aus Sicherheitsgründen oder aufgrund fiskalischer Herausforderungen der Golfstaaten ihre Arbeitsplätze verlieren. Dies könnte die Lage armer Familien in Südasien weiter verschlechtern, insbesondere in Pakistan.
Pakistans Energiekrise
Pakistan ist inzwischen als potenzieller Vermittler zwischen den USA und dem Iran hervorgetreten und hat zwischen den Kriegsparteien eine Waffenruhe vermittelt. Zugleich hat das Land selbst mit Engpässen bei Treibstoff und LNG zu kämpfen. Dies führte zur Schließung von Bildungseinrichtungen im ganzen Land, zur Umstellung von Büros auf eine Vier-Tage-Woche, zu hohen Kraftstoffpreisen und steigenden Lebenshaltungskosten. Nach den Kriegsparteien selbst ist Pakistan das am stärksten betroffene Land. Der Krieg ist jedoch lediglich eine Mahnung; sein Beitrag zur Energiekrise ist nur die Spitze des Eisbergs.
Es gibt tiefer verwurzelte Probleme, die Pakistan angehen muss, um die Auswirkungen regionaler Krisen zu begrenzen. Erstens hält Pakistan seine Wirtschaft nur mit Mühe über Wasser und ist stark auf den IWF sowie auf regionale Verbündete angewiesen. Deshalb hat die Regierung Schwierigkeiten, Kraftstoff und Strom zu subventionieren, da sie die Bedingungen des IWF erfüllen muss, um die reibungslose Freigabe der nächsten Tranche sicherzustellen.
Zweitens sind veraltete Raffinerien und eine marode Infrastruktur ein zentrales Problem für Pakistan. Weil das Land nicht in der Lage ist, russisches Rohöl zu raffinieren, bleibt der Bereich seiner Ölimporte im Wesentlichen auf den Golf beschränkt. Drittens tragen Terrorismus und politische Instabilität zu Pakistans Schwierigkeiten bei. Häufige Terroranschläge auf ausländische Projekte in unruhigen Provinzen wie Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan, insbesondere auf Projekte des China-Pakistan Economic Corridor, haben Investoren davon abgehalten, in Pakistan zu investieren. Dies belastet letztlich eine ohnehin fragile Wirtschaft.
Einer der offensichtlichsten Gründe, warum Pakistan erhebliche Folgen des Konflikts trägt, ist seine Nähe zum Engpass der Straße von Hormus sowie die Tatsache, dass das Land eine gemeinsame Grenze mit dem Iran von fast 565 Meilen hat. Diese Faktoren haben die Auswirkungen des Krieges auf Pakistan zusätzlich verstärkt.
Politische Handlungsempfehlungen
Dieses vernetzte System hat der Welt Wachstum gebracht, Grenzen zwischen Staaten zunehmend relativiert, gegenseitige Abhängigkeit und Verflechtung zwischen Ländern geschaffen und ein globales Wirtschaftssystem etabliert. Bis zu einem gewissen Grad trägt es dazu bei, Armut zu lindern und Entwicklung zu fördern. Doch das gegenwärtige Szenario legt offen, dass Globalisierung in Krisenzeiten auch zu einer potenziellen Bedrohung für die Welt werden kann, insbesondere für Entwicklungsländer wie Pakistan.
Daher muss ein Land wie Pakistan politische Maßnahmen ergreifen, die es vor möglichen negativen Folgen der Globalisierung schützen können. Nimmt man den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran als Fallstudie, ergeben sich folgende politische Handlungsempfehlungen.
Pakistan sollte moderne Raffinerien errichten, die Rohöl aller Art verarbeiten können. Dies würde dem Land die Möglichkeit geben, seine Importe in Krisenzeiten zu diversifizieren. Auch der Bau weiterer Lagerstätten wäre hilfreich, da Länder dadurch in die Lage versetzt würden, die ersten Schocks von Lieferunterbrechungen abzufedern. Ein von Öl oder Gas abhängiger Stromsektor ist selbst gegenüber geringfügigen Störungen in der Lieferkette verwundbar. Deshalb ist es für Länder wie Pakistan ebenso wichtig, in Kernenergie, Solarenergie und Wasserkraft zu investieren, damit in Krisenzeiten alternative Optionen genutzt werden können.
Auch die Stärkung der Wirtschaftsstruktur ist von entscheidender Bedeutung. Die Steuerbehörden eines Landes sollten ein System von Belohnungen und Strafen einführen, für zuverlässige Steuerzahler ebenso wie für Steuerhinterzieher. Zudem sollten Technologie- und IT-Branchen aufgebaut werden, um die Exportbasis von Textilien auf Technologie und IT-Dienstleistungen auszuweiten.
Investitionen in berufliche Bildungseinrichtungen sind ebenfalls wichtig, um qualifizierte Arbeitskräfte hervorzubringen, die zumindest in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Darüber hinaus muss Pakistan im Umgang mit dem Problem der Militanz mit regionalen Akteuren zusammenarbeiten und gemeinsam Druck auf die afghanische Übergangsregierung ausüben, damit diese die Aktivitäten von Personen eindämmt, die von ihrem Territorium aus operieren. Zusätzlich sollten in jenen Gebieten, in denen an wichtigen Projekten gearbeitet wird, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Wenn diese Maßnahmen umgesetzt werden, wird Pakistan zumindest in der Lage sein, die ersten Wellen einer Krise abzufedern.
