Vielen herzlichen Dank, mein Freund, Premierminister James Marape.
An John, an unsere Gäste und an die außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die heute Abend gemeinsam mit mir auf dieser Bühne ausgezeichnet werden: Alex, Stefano und Cynthia.
Mein besonderer Dank gilt meinem Bruder, einem ganz besonderen Menschen, dem Premierminister von Papua-Neuguinea.
Für diejenigen, die es vielleicht nicht wissen: In Papua-Neuguinea werden Hunderte von Sprachen gesprochen – mehr als an jedem anderen Ort der Welt.
Es ist ein Land von außergewöhnlicher Vielfalt, und James ist es gelungen, diese Nation zusammenzuführen und dabei bemerkenswerte Führungsstärke zu beweisen.
Ich danke dem Atlantic Council für diese große Ehre. Ich nehme die Auszeichnung in aller Bescheidenheit im Namen Australiens entgegen, denn den Menschen Australiens dienen zu dürfen, ist die größte Ehre meines Lebens.
Der Beitrag, den Australien für unsere Region und für die Welt leistet, ist nicht das Verdienst eines Einzelnen.
Er beruht – und das wird immer so sein – auf der Geduld, dem Optimismus, dem Respekt, der Freundlichkeit und dem Mut unzähliger Australierinnen und Australier.
Und er beruht auf den australischen Werten, die uns auszeichnen: Fairness, dem Streben nach einer besseren Zukunft und Chancengleichheit für alle. Diese Werte tragen die Menschen unseres Landes in die Welt hinaus, wenn sie sich international engagieren.
Diplomaten und Lehrkräfte, Entwicklungshelfer und Freiwillige, Wahlbeobachter und Einsatzkräfte der Rettungs- und Katastrophendienste.
Menschen, die ihr Leben riskieren, um den Frieden zu bewahren, und Menschen, die ihr Leben der Förderung jener Chancen, jenes Wohlstands und jener Gerechtigkeit widmen, auf denen ein dauerhafter Frieden beruht.
Australierinnen und Australier, die ihren Beitrag dazu leisten, Menschen in Not Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und sicherem Wohnraum zu ermöglichen.
Und in einer Welt, die immer ungewisser und stärker polarisiert wird, all jene, die uns daran erinnern, wie viel uns miteinander verbindet, und die Beziehungen aufbauen, die auf gegenseitigem Verständnis beruhen: von Studierenden und Investoren bis hin zu Australiens bemerkenswert vielfältigen Diasporagemeinschaften, deren Wurzeln in allen Teilen der Welt liegen, ebenso wie zu unseren First Nations, den indigenen Völkern Australiens, die eine der ältesten ununterbrochen bestehenden Kulturen der Erde bewahren.
Die Welt, in der wir leben, verändert sich rasant.
Seit dem Ende des Kalten Krieges beruhten die vorherrschenden Annahmen in den internationalen Beziehungen auf klaren Vorstellungen: Offenheit bedeutete Sicherheit. Effizienz war wichtiger als Widerstandsfähigkeit. Und die Einhaltung internationaler Regeln wurde als selbstverständlich vorausgesetzt.
Diesen Annahmen lag die Erwartung zugrunde, dass der Einfluss der großen demokratischen Mächte weitgehend unangefochten bleiben würde.
Dass die nach 1945 entstandene Weltordnung auf unbestimmte Zeit fortbestehen würde.
Heute werden beide Erwartungen auf die Probe gestellt.
Die Weltordnung, die nach 1945 entstanden ist, wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Universelle internationale Institutionen bleiben zwar notwendig, reichen aber inzwischen nicht immer aus, um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen wir stehen.
Australiens Antwort darauf besteht darin, die Ordnung, die an die Stelle der bisherigen treten wird, aktiv mitzugestalten und aufzubauen. Dabei wollen wir die wichtigsten bestehenden Regeln bewahren und zugleich neue Partnerschaften, Beziehungen und Innovationen entwickeln, die erforderlich sind, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen.
Der wichtigste Faktor, der den Indopazifik prägt, ist der strategische Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und China.
Unser Bündnis mit den Vereinigten Staaten bildet den Grundpfeiler der australischen Außenpolitik.
Gegenüber China, unserem größten Handelspartner, verfolgen wir einen klaren Ansatz: Wir arbeiten zusammen, wo es möglich ist, vertreten unterschiedliche Positionen, wo es notwendig ist, und gestalten unsere Beziehungen im nationalen Interesse.
Durch einen kontinuierlichen Austausch auf höchster politischer Ebene fördern wir Australiens Interessen und gehen zugleich konstruktiv mit bestehenden Meinungsverschiedenheiten um.
Wie Washington und Peking ihre Beziehungen gestalten, ist von außerordentlicher Bedeutung.
Doch dies darf nicht die einzige Perspektive sein, aus der wir unsere Region betrachten.
Der Indopazifik ist kein Schachbrett, auf dem die Supermächte die Figuren bewegen.
Die Länder der Region sind keine bloßen Zuschauer.
Sie gestalten ihre Zukunft selbst und schreiben ihre eigene Geschichte.
Die Herausforderungen unserer Zeit veranlassen die Staaten zunehmend dazu, neben Effizienz auch der Widerstandsfähigkeit größere Bedeutung beizumessen – bei kritischen Mineralien, in der Energieversorgung und bei neuen Technologien.
Wir haben gesehen, warum das notwendig ist: Kriege und andere Störungen können die Energiepreise in die Höhe treiben und Lieferketten weit über die eigentlichen Konfliktgebiete hinaus unterbrechen. Die Pandemie hat uns dieselbe Lektion gelehrt.
Regierungen müssen die Fähigkeit entwickeln, Krisen standzuhalten, die sie weder verursacht haben noch kontrollieren können.
Deshalb stärkt Australien seine eigenen souveränen Fähigkeiten.
Gemeinsam mit unseren Partnern vertiefen wir die Zusammenarbeit in Fragen der wirtschaftlichen Sicherheit und der Lieferketten. Zugleich schaffen wir zusätzliche Kapazitäten und alternative Strukturen in jenen Systemen, die von besonderer Bedeutung sind, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.
Die Regeln, die das Wachstum unserer Region ermöglicht und unterstützt haben, stehen heute erheblich unter Druck.
Wir müssen die Institutionen stärken, die der internationalen Zusammenarbeit Legitimität verleihen, und zugleich jene Partnerschaften ausbauen, durch die diese Zusammenarbeit praktisch wirksam wird.
Die zentrale Rolle der ASEAN bildet das praktische Fundament der regionalen Ordnung in unserer nördlichen Nachbarschaft.
Neben unserer Unterstützung für die ASEAN haben wir einen wegweisenden Vertrag über gemeinsame Sicherheit mit Indonesien geschlossen, unsere Partnerschaften mit Vietnam, den Philippinen, Singapur und Brunei aufgewertet und eine neue Partnerschaft mit Timor-Leste aufgebaut, um die Widerstandsfähigkeit des jüngsten ASEAN-Mitglieds zu stärken.
Auch der Pazifik östlich von uns ist von außerordentlicher Bedeutung. Unsere Beziehungen zu den Staaten der Region sind von gegenseitigem Respekt geprägt.
In den 125 Jahren seit der Gründung des australischen Bundesstaates ist Australien zwei Bündnisse eingegangen, darunter ANZUS.
Dieses Bündnis entstand während des Zweiten Weltkriegs unter einem anderen Premierminister der Labor-Partei, John Curtin, der in unserer dunkelsten Stunde erklärte, dass wir unseren Blick auf Amerika richten.
In den ersten 125 Jahren unserer Geschichte hatte Australien zwei Bündnispartnerschaften. Allein im vergangenen Jahr haben wir zwei weitere hinzugefügt.
Das sagt viel über die sich verändernde Dynamik unserer Beziehungen und der Weltpolitik aus.
Das Bündnis mit Papua-Neuguinea ist inzwischen in Kraft getreten.
Das Bündnis, das wir mit Fidschi unterzeichnet haben, stellt einen bedeutenden Durchbruch dar.
Für beide Länder ist es das erste Bündnis ihrer Geschichte.
Wir haben Abkommen mit Tuvalu, Vanuatu und Nauru geschlossen. Weitere Vereinbarungen werden derzeit mit den Salomonen und Tonga ausgehandelt.
Für die pazifischen Inselstaaten ist der Klimawandel die unmittelbarste Bedrohung.
In meinen fünf Jahren als Premierminister bin ich durch die gesamte Pazifikregion gereist.
Ich habe die Auswirkungen des Klimawandels mit eigenen Augen gesehen.
Sie sind real. Und für einige Länder bedrohen sie sogar ihre Existenz.
Deshalb unterstützt Australien Fidschi und Tuvalu dabei, im kommenden Monat im Vorfeld der COP31 das Vorbereitungstreffen der Staats- und Regierungschefs zur Weltklimakonferenz auszurichten.
Unsere Partnerschaften im Pazifik stärken die Sicherheit, den Wohlstand und die Widerstandsfähigkeit aller unserer Länder. So können sie sich gemeinsam weiterentwickeln, wobei die Prioritäten der pazifischen Staaten selbst die Richtung vorgeben.
Dies setzt zugleich eine Region voraus, die auf gemeinsamen Regeln beruht und in der wir uns auf allen Ebenen engagieren.
Diesen Ansatz verfolgen wir, um die großen Herausforderungen im Indopazifik zu bewältigen.
Wir stärken unsere Widerstandsfähigkeit, ohne die Offenheit aufzugeben.
Wir vertiefen unsere regionalen Partnerschaften, ohne uns von gemeinsamen Regeln abzuwenden.
Wir bauen unser Bündnis mit den Vereinigten Staaten weiter aus und pflegen zugleich die Beziehungen zu unserem größten Handelspartner China, ohne zuzulassen, dass eine dieser beiden Beziehungen bestimmt, wer wir sind.
In einer unsicheren Welt bedeutet politische Führung, füreinander einzustehen, Verantwortung und Lasten gemeinsam zu tragen und unseren Nachbarn mehr Möglichkeiten zu geben, ihre Zukunft selbst zu gestalten.
Das ist die Region, an deren Aufbau Australien arbeitet, und die internationale Ordnung, die wir auch weiterhin verteidigen werden.
Einer meiner bedeutenden Vorgänger, Paul Keating, der zu den Wegbereitern der stärkeren Einbindung Australiens in unsere Region gehörte, sagte einmal, der Lohn des öffentlichen Dienstes sei der gesellschaftliche Fortschritt.
Diese Überzeugung ist die treibende Kraft hinter all unseren Bemühungen.
Es ist die Entschlossenheit, echte Veränderungen und dauerhaften Fortschritt zu erreichen.
Im Leben der Menschen, denen wir dienen, und bei den Chancen, die sich ihnen bieten.
Bei der Stabilität und dem Wohlstand der Region, die unsere Heimat ist.
Beim Frieden und bei der Sicherheit in der Welt, die wir miteinander teilen.
Und beim Aufbau einer besseren Zukunft, die wir gemeinsam gestalten können – und gestalten müssen.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für die große Ehre, die diese Auszeichnung für Australien bedeutet.
In Australien ist durchaus bemerkt worden, dass ein Australier eine Auszeichnung des Atlantic Council erhält. Schließlich liegt unser Land am Pazifischen Ozean, am Indischen Ozean, am Korallenmeer und am Südlichen Ozean – nicht aber am Atlantik.
Dass Ihre Organisation in ihrem 65. Jahr einen Australier auszeichnet, sagt deshalb etwas Wesentliches über sie aus: Sie versteht, dass die gesamte Welt von Bedeutung ist.
