Paris, France, Europe, August 23 2025, demonstration in support of the African states of Mali, Burkina Faso and Niger at Place de la République in Paris.

Die Allianz der Sahelstaaten gründet eine gemeinsame Militärtruppe und stärkt die regionale Sicherheit

Ein historischer Wendepunkt für die Souveränität der Sahelregion: Burkina Faso, Mali und Niger haben ihre regionale Sicherheit durch die Aufstellung einer gemeinsamen Militärtruppe gestärkt und in derselben Woche ihren zweiten AES Gipfel abgehalten.

 

Die Allianz der Sahelstaaten (AES) hat einen entscheidenden Schritt für eine regionale Selbstverteidigung unternommen und offiziell eine gemeinsame Militärtruppe ins Leben gerufen. Ziel der neuen Einheit ist es, die islamistischen Unruhen und den Terrorismus in der Sahelregion zu bekämpfen. Die Truppe wurde am 20. Dezember 2025 bei einer Zeremonie auf einem Luftwaffenstützpunkt in Malis Hauptstadt Bamako offiziell eingeweiht.

Geleitet wurde die Veranstaltung von Malis Übergangspräsidenten, Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und scheidendem Präsidenten der AES, General Assimi Goïta. Im Mittelpunkt stand die feierliche Übergabe der Flagge der Gemeinsamen Truppe der AES, mit der ein seit Langem angekündigtes Vorhaben von Burkina Faso, Mali und Niger nun in die operative Phase überführt wurde: die gemeinsame Sicherung der staatlichen Souveränität ihrer Territorien.

Die neu geschaffene Truppe, bekannt als FU AES, vereint rund 5.000 Soldaten aus den drei Mitgliedstaaten. Sie ist darauf ausgelegt, Luftstreitkräfte, den Austausch von Geheimdienstinformationen sowie koordinierte Bodeneinsätze zu bündeln, um bewaffneten Gruppen entgegenzutreten, die seit mehr als einem Jahrzehnt weite Teile der Sahelregion destabilisieren.

In seiner Ansprache an die Versammelten hielt der malische General Aliou Boï Diarra eine ebenso symbolträchtige wie emotionale Rede, in der er die historische und moralische Bedeutung der Flagge hervorhob. Sie sei weit mehr als ein bloßes Zeremonialobjekt.

„Die Flagge, die Sie der gemeinsamen AES-Truppe überreicht haben, steht für die Erinnerung, für den Willen und für ein unumkehrbares Bekenntnis. Sie bekräftigt auf tiefgreifende Weise eine Gewissheit, die sich nun unauslöschlich in die Herzen unserer geliebten Völker eingeprägt hat. Es handelt sich um einen wahrhaft historischen und bedeutsamen Moment“, sagte General Diarra.

Diarra erklärte die Flagge repräsentiert die Opferbereitschaft und den Kampf und sei nicht nur bloße Zierde: „Diese heilige Flagge ist kein rein dekoratives Symbol. Sie ist das tiefgreifende und dauerhafte Ergebnis von kostbarem Blut, das mutig vergossen wurde, von großem Mut, der tapfer aufgebracht wurde, und von einer grundlegenden Wahrheit, die neu erkannt wurde.“

In einem Gedenken an die Toten fügte er hinzu:

„Ich erweise auch unseren geliebten Märtyrern, allen unschuldigen Zivilisten und den tapferen Soldaten, die im Kampf gefallen sind, unter dem ewigen Schnee feierlich und aufrichtig meine Ehre. Sie sind nicht umsonst gestorben.“

Malis Staatschef, General Goïta, bezeichnete den Einsatz der Truppe in seiner eigenen Ansprache als einen historischen Wendepunkt für die Sahelregion. Zu Beginn richtete er einen Gruß an die Verteidigungsführung und die Soldaten der Region.

„An diesem bedeutsamen Tag möchte ich meine aufrichtigen Glückwünsche aussprechen und den außergewöhnlichen Mut, den unerschütterlichen Professionalismus, das standhafte Engagement und die entschlossene Bestimmtheit der Verteidigungsminister, der Generalstabschefs und insbesondere aller tapferen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte des AES-Raums würdigen – für die bemerkenswerten Erfolge, die sie in ihrem unermüdlichen Kampf gegen bewaffnete Terroristengruppen erzielt haben“, sagte er.

Der AES-Präsident erinnerte daran, dass bereits seit der Erklärung der Niamey Mutual Initiative (NMI) vom 6. Juli 2024 gemeinsame Militäroperationen durchgeführt werden. Diese hätten zur Ausschaltung mehrerer Terroristenführer und zur Zerstörung zahlreicher Rückzugsorte bewaffneter Gruppen geführt.

„All diese positiven Ergebnisse wurden durch sorgfältige Planung, einem rechtzeitigen und wirksamen Austausch von Geheimdienstinformationen und vor allem durch die umfassende Bündelung unserer gemeinsamen Anstrengungen und Ressourcen erzielt“, erklärte Goïta.

Zudem kündigte er zentrale institutionelle Schritte zur Festigung der gemeinsamen Truppe an. Dazu zählen die Ernennung eines neuen Befehlshabers, die Einrichtung eines zentralen Hauptquartiers in der strategisch wichtigen Stadt Niamey sowie die Zuweisung spezialisierter Bataillone, die sich ausschließlich den Operationen der AES widmen. Zugleich betonte er, dass die bevorstehenden Aufgaben eine hohe Anpassungsfähigkeit an die sich immer wandelnden Taktiken bewaffneter Gruppen erfordern würden.

„Für den neuen Befehlshaber ist es nun von entscheidender Bedeutung, nicht nur die zunehmend komplexen Vorgehensweisen terroristischer Gruppen frühzeitig vorauszusehen, sondern vor allem diesen entscheidenden Kampf entschlossen fortzuführen, um die gesamte Sahelregion zu sichern und dauerhaften Frieden und Stabilität zu gewährleisten.“

General Goïta fügte hinzu, dass der Konflikt in der Sahelregion multidimensional sei. „Dieser Krieg ist nicht nur militärisch. Er ist auch politisch, wirtschaftlich und informatorisch.“

Er benannte drei aus seiner Sicht zentrale Bedrohungen für die Staaten der Sahelregion: bewaffneter Terrorismus, wirtschaftlicher Terrorismus und medialer Terrorismus. Als Antwort darauf habe die Konföderation eine umfassende Strategie erarbeitet, die weit über militärische Operationen auf dem Schlachtfeld hinausgehe.

„Wir haben Maßnahmen ergriffen, um diesen Bedrohungen nicht nur durch die Aufstellung dieser gemeinsamen Truppe zu begegnen, sondern auch durch die Gründung von AES Fernsehen, AES Radio und AES Zeitungen“, sagte er und stellte diese Plattformen als Instrumente zur Bekämpfung von Desinformation und psychologischer Kriegsführung vor.

Die militärische Initiative folgt einer Reihe symbolischer und politischer Schritte, die die wachsende Eigenständigkeit des Bündnisses unterstreichen. Bereits Anfang des Jahres stellte die AES eine neue Flagge vor, die die gemeinsame Identität der Konföderation sowie ihren Anspruch widerspiegelt, politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit neu zu definieren – jenseits des Erbes des französischen Imperialismus und westlicher neoliberaler Ordnungsmodelle. Die Führung des Bündnisses hat frühere militärische Partnerschaften mit Frankreich und anderen westlichen Staaten wiederholt kritisiert und argumentiert, ausländische Interventionen hätten keinen Frieden gebracht, wohl aber die nationale Souveränität untergraben.

Der AES-Gipfel

Mali war in derselben Woche Gastgeber eines Gipfeltreffens der Allianz der Sahelstaaten, das am Dienstag, dem 23. Dezember, zu Ende ging. Im Verlauf des Gipfels wurde der Staatschef von Burkina Faso, Hauptmann Ibrahim Traoré, zum neuen Vorsitzenden der Allianz der Sahelstaaten ernannt. Im Anschluss an das Treffen kündigte die Allianz an, dass dem Gipfel eine großangelegte militärische Operation folgen werde.

Anfang dieses Jahres führten die drei Länder zudem einen gemeinsamen AES-Pass ein. Ein bedeutender Schritt hin zu einer tieferen Integration. Dieser Schritt erfolgte, nachdem Burkina Faso, Mali und Niger formell aus der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) ausgetreten waren, einer Organisation, die sie inzwischen offen als feindlich bezeichnen.

Die Einführung der gemeinsamen Truppe erfolgt zudem vor dem Hintergrund wachsender regionaler Spannungen. Nigeria und Côte d’Ivoire, beides einflussreiche ECOWAS-Mitglieder, sind von der AES-Führung und ihren Unterstützern wiederholt kritisiert worden, weil sie ihnen eine aus ihrer Sicht konterrevolutionäre Haltung vorwerfen. In offiziellen Verlautbarungen sowie im öffentlichen Diskurs innerhalb der Sahelregion werden diese Länder zunehmend als Akteure dargestellt, die versuchen, die tiefgreifenden politischen Umbrüche in Bamako, Ouagadougou und Niamey einzudämmen oder rückgängig zu machen.

Fest steht, dass Burkina Faso, Mali und Niger einen neuen Kurs einschlagen. Einen Kurs, der Machtverhältnisse, Bündnisse und Formen des Widerstands im Herzen Westafrikas neu definiert.

First published in: Peoples Dispatch Original Source
Nicholas Mwangi

Nicholas Mwangi

Mitarbeiter von Peoples Dispatch

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