Trade war policy in development.United States tariffs government import taxation for Europe,to increase the American economy.Industrial Tariffs growth.Import Trade Tariffs increase.

Weshalb ist Europa hinter anderen zurückgeblieben und hat unterdurchschnittlich abgeschnitten?

I. Einführung

Die europäische Wirtschaft steckt in großen Schwierigkeiten. Szu Ping Chan und Hans van Leeuwen, die Wirtschaftsredakteure der britischen Tageszeitung The Telegraph, behaupten, dass der europäische Kontinent auf einem Pfad des katastrophalen Niedergangs festgefahren sei. [1] Wie Abbildung 1 zeigt, ist der Anteil der EU am weltweiten BIP von 27 % im Jahr 1990 auf 17 % im Jahr 2024 weiter gesunken.

20260202113641285289222
Abbildung 1: Anteil der EU am weltweiten BIP (Quelle: IWF)

Infolgedessen war das BIP der EU im Jahr 2000 sechs Mal größer als das chinesische BIP, aber im Jahr 2025 wird das BIP der EU voraussichtlich das des chinesischen BIP erreichen, wie Abbildung 2 zeigt. Im Jahr 2000 war das BIP der EU 3 Billionen Dollar kleiner als das BIP der USA, aber im Jahr 2025 wird das BIP der EU voraussichtlich über 10 Billionen Dollar kleiner sein als das der USA.

20260202113610814786983
Abbildung 2: BIP der EU, USA, China, Japan, 2000 & 2025 (Quelle: Alcott Global)

Darüber hinaus brachte der Krieg in der Ukraine 2022 noch mehr Unsicherheit nach Europa, indem er Energieprobleme für die europäische Wirtschaft verursachte. Die Abhängigkeit Europas von externen Energiequellen ist ein lang bestehendes Problem. Die Energiekrise, die 2021 begann und durch den Ukrainekrieg und den Klimawandel angeheizt wurde, hat gezeigt, wie fragil die Energieinfrastruktur der Region weiterhin ist. Explodierende LNG-Preise, unzuverlässige erneuerbare Energieproduktion und Russlands strategischer Einsatz von fossilen Brennstoffen als Hebel verursachen auf dem europäischen Kontinenten rekordhohe Energiekosten.

Vor diesem Hintergrund untersucht dieser Beitrag, warum die europäische Wirtschaft unterdurchschnittlich gewachsen ist und hinterherhinkt. Zunächst beschreibt das Papier die aktuelle wirtschaftliche Lage Europas und erklärt, warum die europäische Wirtschaft gescheitert ist.

II. Die gegenwärtige Situation der europäischen Wirtschaft

Europa mag ein großartiger Ort zum Leben sein, mit kostenloser Gesundheitsversorgung, großzügigen Sozialleistungen und großartigen Städten. Wenn wir jedoch die Wirtschaft der drei großen Wirtschaftsmächten – der USA, Europa und China – miteinander vergleichen, wird schnell deutlich, dass die europäische Wirtschaft in großen Schwierigkeiten steckt. Europa gerät zunehmend zwischen die USA und China unter Druck.

Wie in Abbildung 3 gezeigt, war das Wirtschaftswachstum in Europa in den letzten Jahren schwach. Deutschland hat in den letzten Jahren die schlechtesten Ergebnisse erzielt. Die deutsche Wirtschaft hat heute die gleiche Größe wie im vierten Quartal 2019. Mit anderen Worten, es gab fünf Jahre mit verlorenem Wachstum. Aber auch der Rest Europas hat nicht viel besser abgeschnitten. Die französische Wirtschaft ist nur 4,1 % größer als im letzten Quartal von 2019, während die italienische Wirtschaft um 5,6 % gewachsen ist. (Siehe Abbildung 3.) Und obwohl das BIP Spaniens seitdem um 6,6 % gestiegen ist, wurde dies stark durch einen Zustrom von Einwanderern unterstützt, was bedeutet, dass das BIP pro Kopf nur um 2,9 % im gleichen Zeitraum gestiegen ist. Im Gegensatz dazu ist die US-Wirtschaft um 11,4 % gewachsen.

20260202113457125072623
Abbildung 3: Realer BIP (Q4 2019 = 100) (Quelle: LSEG, Capital Economics)

Wie in Abbildung 4 gezeigt, betrug das gesamte BIP-Wachstum der EU im Zeitraum 2020-2024 nur 12,2 %, während China 23,4 % und die USA 15 % verzeichneten.

20260202113439317308050
Abbildung 4: Wachstum, EU, USA, China und Japan, 2020-2024

Wie in Abbildung 5 zu sehen ist, ist die EU im Jahr 2024 nur um 1,1 % gewachsen, während die USA 2,8 % und China 5,0 % verzeichneten.

202602021134151346775878Abbildung 5: BIP-Wachstum, EU, USA, China und Japan, 2024

Darüber hinaus wird bei einem Vergleich der beiden westlichen Rivalen, den USA und Europa, schnell deutlich, dass die EU langsamer gewachsen ist als die USA, wie Abbildung 6 zeigt.

202602021133501726193453Abbildung 6: USA wächst schneller als die EU-Länder, 2010-2024 (Quelle: Weltbank)

Wie in Abbildung 7 gezeigt, war die Arbeitslosenquote in Europa höher als in den USA.

202602021133331014765017Abbildung 7: Arbeitslosenquote in der EU höher als in den USA, 2000-2024

Wie in Abbildung 8 gezeigt, war der LNG-Preis in Europa zwischen 2020 und 2024 höher als in den USA und sofort nach der russischen Invasion in der Ukraine auch höher als der Preis in Asien, was die europäische Wirtschaft belastet hat.

202602021133101648700575Abbildung 8: LNG-Preis, EU, USA, Asien, Januar 2000-Januar 2024

Darüber hinaus ist Europa bei den neuen Wachstumstreibern – große Technologien, KI, Elektroautos – sowohl gegenüber den USA als auch gegenüber China zurückgefallen. Europa wird von billigeren Importen aus China und besserer Technologie aus den USA unter Druck gesetzt.

III. Ursachen des Scheiterns der europäischen Wirtschaft

Warum ist die europäische Wirtschaft gescheitert? Nach Einschätzung von Neil Shearing, Chefökonom bei Capital Economics, ist Europas unterdurchschnittliche Entwicklung zum Teil auf die Folgen der Energiekrise nach Russlands Invasion in der Ukraine zurückzuführen – wie Abbildung 9 zeigt, stiegen Europas Gaspreise rasant an. [2]

202602021132371592908814
Abbildung 9: Preise für Erdgas, Europa, USA, Japan, Januar 2021 – Ende 2024

Darüber hinaus erreichten – wie Abbildung 10 zeigt – die Energiepreise im Euroraum nach dem Ukrainekrieg im Oktober 2022 mit 171,75 Punkten ein Allzeithoch. Bis November 2025 sank der Wert zwar wieder auf 145,49 Punkte, bleibt aber weiterhin zu hoch.

20260202113214586266028
Abbildung 10: Energiepreise, Eurozone (Quelle: Eurostat)

Wie in Tabelle 1 gezeigt, hat sich die Abhängigkeit von Energieimporten seit 2000 unterschiedlich entwickelt: Die USA haben ihre Abhängigkeit von Energieimporten drastisch reduziert und sind zu Nettoexporteuren geworden, während die Europäische Union ein hohes Maß an Energieabhängigkeit beibehalten hat und Chinas Abhängigkeit parallel zu seinem enormen Wirtschaftswachstum gestiegen ist.

Die USA haben eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Etwa 2005 erreichten die Rohölimporte der USA ihren Höchststand mit etwa 60 % des Verbrauchs. Dank der Schieferöl-Revolution und der zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien stieg die heimische Produktion der USA stark an und die USA wurden 2019 Nettoenergieexporteure. Bis 2024 machten die Energieimporte der USA nur noch 17 % ihres Energiebedarfs aus.

Das schnelle Wirtschaftswachstum Chinas hat zu einem massiven Anstieg des Energiebedarfs geführt. Infolgedessen ist die Abhängigkeit von Energieimporten seit 2000 deutlich gestiegen. China ist der weltweit größte Importeur von Rohöl. Während China auch der führende Investor in erneuerbare Energien ist, die einen Teil des wachsenden Energiebedarfs decken, bleibt der absolute Bedarf fossiler Brennstoffe für seinen Industriesektor weiterhin hoch. 2024 deckten Energieimporte etwa 25 % des gesamten Energiebedarfs ab.

20260202113152508860148
Tabelle 1: Abhängigkeit von Energieimporten, 2000–2025

Wie in Abbildung 11 gezeigt wird, hat die EU in den letzten drei Jahrzehnten von 1993 bis 2024 konstant eine hohe Abhängigkeit von Energieimporten gezeigt. Die Abhängigkeit der EU von Öl- und Gasimporten war deutlich höher als die der USA und Chinas. Die Abhängigkeit der EU von Ölimporten lag bei über 90 %, während die Abhängigkeit der EU von Gasimporten im Jahr 2023 nach dem Ukrainekrieg mehr als 90 % erreichte. Während die EU Fortschritte im Bereich erneuerbare Energien gemacht hat, bleibt sie stark von Öl- und Gasimporten abhängig und hat ihre Importquellen von Russland auf andere Partner wie die USA und Norwegen verlagert.

Diese hohe Abhängigkeit von Energieimporten sowie die Energiekrise in Europa infolge des Ukrainekriegs führten zu einer Verschlechterung der Terms of Trade der Region. Dies schlug sich in einem starken Rückgang der Realeinkommen und einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien nieder und dämpfte dadurch das Wirtschaftswachstum in Europa.

20260202113127751664300
Abbildung 11: Abhängigkeit von Energieimporten, EU, USA und China, 1993–2024

Darüber hinaus sind europäische Haushalte auch zurückhaltender beim Konsum geworden, was das Wachstum in Europa zusätzlich bremst. Die Sparquote der Haushalte in Europa liegt inzwischen drei Prozentpunkte höher als vor der Covid-19-Pandemie im Jahr 2019, während die Sparquote in den USA mittlerweile niedriger ist als 2019 (siehe Abbildung 12). Diese Neigung der Europäer, weniger auszugeben, führt zu geringerem Wachstum in Europa.

20260202113107364840688Abbildung 12: Sparquote der Haushalte in der Eurozone (% des verfügbaren Einkommens)

Die Schwäche der europäischen Wirtschaft ist jedoch grundlegend strukturell und dafür gibt es mehrere Gründe. Das erste wichtige Problem, das mit dem langsamen Wachstum in Europa zusammenhängt, ist die Regulierung, die den Wettbewerb und die Innovation hemmt.

Die EU ist zunehmend protektionistisch geworden, hauptsächlich durch Regulierungen. Während diese Strategie bequem erscheinen mag, erweist sie sich als kontraproduktiv. Sie beseitigt die Anreize für Kreativität und Effizienz. Das Gesetz über digitale Dienste und immer restriktivere Auslegungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sollten eigentlich die US-Technologieriesen in Schach halten, haben aber stattdessen die europäische Innovation in diesen Sektoren behindert. Das Gesetz über Künstliche Intelligenz und Vorschriften zu Lieferketten sind ebenfalls schädlich. Es ist vielleicht nicht überraschend, dass die großen disruptiven und innovativen Unternehmen der letzten zwei Jahrzehnten aus den USA und China stammen und nicht aus den Ländern der Eurozone.

Autonome Taxis sind ein gutes Beispiel dafür. In Kalifornien ist bereits jedes dritte Taxi ein autonomes Taxi. Das Wachstum war exponentiell und diese Taxis werden voraussichtlich bald die herkömmlichen Taxis überholen. Die Marktgelegenheit ist riesig; sie werden günstiger sein als das Bezahlen eines Fahrers. In Texas verlangt Tesla nur einen Dollar pro Meile. Sie sind auch sicherer – 90 % weniger Unfälle. Das bedeutet günstigere Autoversicherungen. Sie werden Einkommen sparen, Emissionen verringern und den Bedarf an teuren Autos reduzieren. Und das ist nicht nur in Amerika so; 2.000 autonome Fahrzeuge befördern bereits Millionen Menschen in den großen Städten Chinas. Aber für Europäer bleibt die Vorstellung von einem selbstfahrenden Auto noch immer Science-Fiction. Oder genauer gesagt, etwas, das durch die europäische Liebe zur Regulierung, Risikoaversion und eine mächtige Automobil-Lobby, die immer noch in der Ära des Verbrennungsmotors steckt, blockiert wird. [3]

Ein weiteres Beispiel ist die Tech-Industrie. Europa wird durch fragmentierte und übermäßige Regulierung behindert. Ein US-Start-up kann ein Produkt unter einem einzigen regulatorischen Rahmen auf den Markt bringen und sofort Zugang zu einem Markt von mehr als 330 Millionen Verbrauchern erhalten. Die EU hat etwa 450 Millionen Menschen, aber bleibt in 27 nationalen regulatorischen Systemen geteilt. Eine Analyse des IWF zeigt, dass interne Marktbarrieren in der EU wie ein Zoll von etwa 44 % für Waren und 110 % für Dienstleistungen wirken – weit höher als die Zollsätze, die die USA auf die meisten ihrer Importe erheben. [4]

Wahr ist, dass Europa einige Erfolge zu verzeichnen hat, wie Revolut, Klarna und Spotify, aber diese sind im Vergleich zu den US-Giganten Meta, Google, Microsoft und Apple eher klein. Heute kommen etwa die Hälfte der 50 größten Technologieunternehmen der Welt aus den USA, während nur vier europäische Unternehmen dazugehören. In den letzten fünf Jahrzehnten sind 241 US-Unternehmen von Start-ups zu riesigen Unicorns herangewachsen. [5] Die Antwort der EU war es, die undurchsichtige Welt der Big-Tech-Überwachung zu regulieren, aber auf eine Weise, auf die der „Hammer“ der DSGVO-Regulierung mehr dazu beigetragen hat, die Kosten für lokale europäische Unternehmen und Tech-Startups zu erhöhen, wie in Abbildung 13 gezeigt. Während Kalifornien allein ein Viertel der weltweiten Tech-Unicorns hervorgebracht hat, hat Deutschland – eine ähnlich große Wirtschaft – nur 2 % der hochbewerteten Start-ups hervorgebracht. Ohne dringende Reformen läuft Europa Gefahr, im globalen Technologierennen ins Abseits zu geraten.

202602021130441353388644
Abbildung 13: GDPR-Regulierung und Risikokapital in der EU und den USA

Es gibt ein altes Sprichwort: Die USA erfinden, China imitiert, und Europa reguliert. Harte Worte – aber nicht ohne einen wahren Kern. Der große Wandel besteht darin, dass China nicht länger nur imitiert, sondern Güter deutlich günstiger produziert als Europa. Europa hingegen steckt weiterhin in einem regulatorischen Denken fest.

Das Ergebnis ist, dass das Produktivitätswachstum in Europa – das der entscheidende Faktor für das langfristige Wirtschaftswachstum ist – erheblich niedriger ist und in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt nur 0,3 % pro Jahr betrug, im Vergleich zu 1,6 % pro Jahr in den USA.

Das zweite Problem sind Europas unzureichende Investitionen in neue Technologien (Computer, Künstliche Intelligenz (KI), Software usw.) und das niedrige Niveau der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E). Wenn man die OECD-Länder vergleicht, stellt man fest, dass diese beiden Komponenten einen starken Einfluss auf die Produktivitätsunterschiede zwischen den Ländern haben. Die ökonometrische Schätzung führt zu den folgenden Effekten: Eine Erhöhung der Investitionsrate in neue Technologien um 1 Punkt führt zu einer jährlichen Produktivitätssteigerung von 0,8 Punkten. Ähnlich führt eine Erhöhung der F&E-Ausgaben um 1 Punkt des BIP zu einer jährlichen Produktivitätssteigerung von 0,9 Punkten. [6]

Die Befürchtung ist, dass Europa in einen Teufelskreis gerät.

Im Jahr 2022 betrugen die Investitionen in neue Technologien 5 % des BIP in den USA und 2,8 % des BIP in der Eurozone. Die EU-Initiativen in fortschrittliche Technologien wie KI und Cloud-Computing entsprechen nicht den Anstrengungen der USA. Das wichtigste Instrument der EU, der Europäische Innovationsrat, hatte 2024 ein Budget von 256 Millionen Euro, während die USA mehr als 6 Milliarden Dollar dafür bereitgestellt haben. Eine ähnliche Situation zeigt sich bei den Investitionen in Risikokapital. 2023 investierten sie etwa 8 Milliarden Dollar in Risikokapital für KI in der EU, verglichen mit 68 Milliarden Dollar in den USA und 15 Milliarden Dollar in China. Die wenigen Unternehmen, die generative KI-Modelle in Europa entwickeln, wie Aleph Alpha und Mistral, benötigen große Investitionen, um im Wettbewerb mit US-Unternehmen nicht zurückzufallen. Allerdings entsprechen die europäischen Märkte nicht diesem Bedarf, wodurch europäische Firmen gezwungen sind, nach externen Finanzierungen zu suchen. [7] Infolgedessen hat die EU beispielsweise den Wettbewerb um das offene Modell verloren, wie Abbildung 14 zeigt.

202602021130022128654922
Abbildung 14: Kumulative Downloads, 2023-2025 (Quelle: ATOM-Projekt, Hugging Face)

Darüber hinaus hinkt die EU in Bezug auf die F&E-Ausgaben den USA und China hinterher. Die F&E-Ausgaben betrugen 2022 3,5 % des BIP in den USA und 2,3 % des BIP in der Eurozone. Wie Abbildung 15 außerdem zeigt, haben die F&E-Ausgaben in den USA und China seit 2007 erheblich zugenommen, während die der Eurozone stagnieren. Der Rückstand bei technologischen Investitionen und F&E erklärt einen großen Teil von Europas Rückstand hinter den USA in Bezug auf Arbeitsproduktivität und BIP. [8]

2026020211302060383489Abbildung 15: Bruttoinlandsausgaben für F&E, 2007-2023

Das dritte Problem im Zusammenhang mit dem geringeren Wachstum in Europa ist die Größe der Wohlfahrtsstaaten in Europa.

Die Größe der Wohlfahrtsstaaten variiert erheblich zwischen den OECD-Ländern. Die europäischen Länder haben die größten Wohlfahrtsstaaten in der OECD und gehören zu den größten der Welt. Wie Abbildung 16 zeigt, sind die Wohlfahrtsstaaten in Europa deutlich größer als in den USA, wobei die EU-Länder 2024 etwa 27 % des BIP für Sozialleistungen ausgeben, im Vergleich zu etwa 19,8 % in den USA. Einige europäische Länder wie Österreich, Finnland und Frankreich geben mehr als 30 % ihres BIP für Sozialleistungen aus. Während die USA 7 % des BIP für öffentliche Rentenzahlungen ausgeben, sind es in Italien 16 % und in Frankreich 13 %.

20260202112942701645391Abbildung 16: Öffentliche Sozialausgaben prozentual zum BIP im Jahr 2024, EU-Länder und USA

Große Wohlfahrtsstaaten haben einen komplexen und umstrittenen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum, wobei es Beweise gibt, dass sie sowohl das Wachstum durch höhere Steuern und reduzierte Arbeitsanreize behindern als auch fördern können, indem sie Bildung, Stabilität und Innovation unterstützen. In jüngster Zeit gibt es jedoch unter Ökonomen zunehmend die Meinung, dass die Größe des Wohlfahrtsstaates einer der Faktoren ist, die für das langsamere Wirtschaftswachstum verantwortlich sind, und dass eine Reduzierung des Wohlfahrtsstaates notwendig ist, wenn das Wachstum in Europa wiederbelebt werden soll. Der Wohlfahrtsstaat wird beschuldigt, ein Hindernis für das Wirtschaftswachstum in Europa zu sein, durch höhere Steuern und verringerte Arbeitsanreize.

Wie Abbildung 17 zeigt, ist die Steuerlast in der EU für die meisten Steuerzahler höher als in den USA. Das gesamte Steuer-BIP-Verhältnis der EU liegt im Durchschnitt bei etwa 44 %. Im Gegensatz dazu gehören die USA zu den Ländern mit den niedrigsten Steuer-BIP-Verhältnissen, mit einem Verhältnis von 35 % im Jahr 2022, etwa 9 % unter dem EU-Durchschnitt.

202602021129201156248064

Abbildung 17: Steuerbelastung, EU und USA, 2022 (Quelle: OECD “Government at a Glance”, 2023)

Abbildung 18 zeigt den gesamten Steuerabzug für durchschnittliche alleinstehende Arbeiter in jedem EU-Mitgliedstaat. In Belgien, Deutschland, Österreich und Frankreich wird mehr als die Hälfte des Vorsteuerverdienstes ihrer Arbeiter einbehalten. Im Vergleich zu den EU-Mitgliedstaaten haben Arbeiter in den USA den niedrigsten durchschnittlichen Steuerabzug. Dies verzerrt die Arbeitsanreize in Europa und macht die Menschen in Europa ärmer. [9] Hohe Steuern und geringere Arbeitsanreize führen dazu, dass die europäischen Bürger weniger ausgeben als die US-Bürger, was das Wirtschaftswachstum in Europa verringert, wie Abbildung 19 zeigt.

202602021128501880495404Abbildung 18: EU-Arbeiter zahlen mehr Steuern als US-Arbeiter, 2022 (Quelle: OECD “Government at a Glance”, 2023)

202602021128222064245990
Abbildung 19: Amerikaner geben 70% mehr aus als EU-Bürger (Durchschnittliche individuelle Ausgaben pro Kopf, 2020; USA auf 100 indexiert). (Quelle: Nationale Konten der OECD-Länder)

Tatsächlich zeigten Gwartney, Holcombe und Lawson (1998) empirisch, dass die realen BIP-Wachstumsraten der OECD-Länder im Durchschnitt um fast zwei Drittel gesenkt wurden, als die allgemeinen Staatsausgaben von 1960 bis 1996 fast verdoppelt wurden (siehe Abbildung 20). Ihren Angaben zufolge waren die wirtschaftlich schwächsten Länder einige südeuropäische Staaten, die den Staatsapparat am stärksten ausgeweitet haben.

202602021127501692983421Abbildung 20: Hohe Staatsausgaben verringern das Wachstum.

Während der Höhepunkt der Eurokrise 2012 war, versuchte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu belegen, dass die europäischen Wohlfahrtsstaaten zu groß waren, da Europa 7 % der Weltbevölkerung, ein Viertel des globalen BIP und 50 % der globalen Sozialausgaben ausmachten. Seitdem hat sich die Situation nicht verbessert. Am 9. September 2024 legte Mario Draghi seinen Bericht „Die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit“ vor, ein 400-seitiges Dokument, um die schleppende Wirtschaft Europas zu behandeln, aber er ließ den überdimensionierten Wohlfahrtsstaat Europas unangetastet und forderte nachdrücklich Reformen und Investitionen zur Steigerung des Produktivitätswachstums. [10]

IV. Fazit
Diese Arbeit zeigte, dass Europas wirtschaftliche Unterperformance und die schleppende Konjunktur auf die Energiekrise und eine hohe Sparneigung zurückzuführen sind, ebenso wie auf Überregulierung, einen großen Wohlfahrtsstaat und hohe Besteuerung sowie auf mangelnde Innovation und geringe Investitionen in neue Technologien sowie in Forschung und Entwicklung (F&E).

First published in: World & New World Journal
World & New World Journal Policy Team

World & New World Journal Policy Team

Leave a Reply