Secretary Marco Rubio meets with Peruvian President Keiko Fujimori in Lima, Peru, September 10, 2026. At far left is Peru Foreign Minister Carlos Espá and far right is U.S. Ambassador to Peru Bernie Navarro. (Official State Department photo by Freddie E. verett)U.S. Department of State, Public domain, via Wikimedia Commons

Rubio bekommt das Foto; Lima trägt das politische Risiko

Das Sicherheitsbündnis mit Washington positioniert Peru als strategischen Partner in der Region, doch die institutionelle Fragilität der Regierung Fujimori droht, das Abkommen zu einem politischen Risiko werden zu lassen.

Marco Rubio hat kürzlich in Lima eine Blitzreise durch Südamerika abgeschlossen – mit vorherigen Stationen in Bogotá und Quito – und Peru damit offiziell in den „Shield of the Americas“ aufgenommen, die von Washington geförderte regionale Sicherheitskoalition zur Bekämpfung des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität. Es ist ein Bild, das für eine neue geopolitische Ausrichtung auf dem amerikanischen Kontinent steht: Die konservative Präsidentin Keiko Fujimori besiegelt nur wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt ihr erstes großes internationales Abkommen mit den Vereinigten Staaten.

Doch hinter diesem Bild stehen zwei Zahlen, die berücksichtigt werden sollten. Die erste: Fujimori gewann die Präsidentschaftswahl mit einem Vorsprung von lediglich 49.641 Stimmen – einer der knappsten Wahlausgänge in der peruanischen Geschichte. Die zweite: Gegen 15 der 19 Minister ihres Kabinetts laufen Ermittlungen, sie waren in frühere Verfahren verwickelt oder sind vorbestraft. Washington hat zweifellos gewichtige geostrategische Gründe, sich in dieser neuen politischen Konstellation Lima anzunähern. Doch wie tragfähig diese Annäherung tatsächlich ist, hängt weniger davon ab, was die Vereinigten Staaten entscheiden, als davon, wie viel politische Stabilität und Regierungsfähigkeit die neue peruanische Regierung aufrechterhalten kann.

Die Anziehungskraft ist real. Peru verfügt über Lithium, Kupfer und mit Chancay über einen mit chinesischem Kapital errichteten Hafen, der bereits als Logistikdrehscheibe für den Südpazifik fungiert. Zu einem Zeitpunkt, an dem Washington versucht, seine Lieferketten zu diversifizieren und die Abhängigkeit von chinesischen kritischen Rohstoffen zu verringern, bietet Lima eine solide und geografisch näher gelegene Alternative. Hinzu kommt die regionale Sicherheitsagenda: Das US-Außenministerium entsandte eine hochrangige Delegation zur Amtseinführung Fujimoris, angeführt vom stellvertretenden Außenminister Christopher Landau, und kündigte eine verstärkte Unterstützung im Kampf gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität an. Dazu zählen unter anderem die ELN, Los Choneros und Tren de Aragua sowie weitere Organisationen, die von der Trump-Regierung als terroristische Gruppen eingestuft wurden.

Doch was gewinnt Peru tatsächlich daraus, und wie viel Handlungsspielraum hat eine Regierung, die im Kongress über keine eigene Mehrheit verfügt? Das sogenannte „Trump-Korollar“ ist – unabhängig von seinen Auswirkungen auf die US-Regionalpolitik und die nationale Sicherheit – weder ein geordneter noch ein vorhersehbarer Fahrplan. Meinungsverschiedenheiten innerhalb und außerhalb der politischen Kreise Washingtons, darunter auch in Teilen der Republikanischen Partei selbst, werfen die Frage auf, ob eine Militarisierung des Kampfes gegen den Drogenhandel in der Region den langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten tatsächlich dient oder vor allem symbolische Wirkung entfaltet.

Für Lima bedeutet dies zugleich, mit einer Macht zu verhandeln, deren Prioritäten sich von einem Quartal zum nächsten verändern können. Peru hat dies bereits im April 2025 erlebt, als Zölle von bis zu 50 Prozent die Kupferexporte trafen, bevor sie Monate später teilweise wieder zurückgenommen wurden.

Dieses Problem ist nicht neu. Seit 1990 hat die Beziehung zwischen Washington und Lima drei Phasen durchlaufen: den Aufstieg und Fall Alberto Fujimoris, geprägt vom Sieg über den Leuchtenden Pfad, aber auch vom Selbstputsch von 1992 und der Korruption um Vladimiro Montesinos; eine Phase der Handelsliberalisierung und fiskalischen Disziplin zwischen 2001 und 2016, die im 2009 unterzeichneten Freihandelsabkommen gipfelte; sowie das vergangene Jahrzehnt, das von „Präsidenten ohne Parlament“ geprägt war – ein Vorläufer der größten politischen Instabilität in der jüngeren Geschichte des Landes. Innerhalb von zehn Jahren hatte Peru neun Staatsoberhäupter.

Genau darin liegt das eigentliche Hindernis für jedes „Zeitfenster der Gelegenheit“, das Washington nutzen möchte: nicht im politischen Willen, der in beiden Hauptstädten vorhanden ist, sondern in Perus anhaltender institutioneller Fragilität. Ein fragmentierter Kongress verzeiht keine Fehler, und ein Kabinett mit juristischen Altlasten liefert der Opposition unmittelbar Argumente, um jede Initiative oder Vereinbarung infrage zu stellen und zu blockieren, die eine engere Ausrichtung auf Washington mit sich bringt.

Hinzu kommt jene Bedrohung, die die peruanische Regierung selbst ins Zentrum ihrer Agenda stellt: die organisierte Kriminalität. Sie ist längst nicht mehr nur eine Frage der öffentlichen Sicherheit, sondern stellt ein unmittelbares Risiko für die Regierungsfähigkeit des Landes dar. Diese Realität, geprägt von Tötungsdelikten und Erpressung, hat sich in den vergangenen Jahren verschärft und untergräbt zunehmend die Fähigkeit des Staates, sein eigenes Territorium wirksam zu kontrollieren.

In diesem Kontext sollte Washington zwei Fehler vermeiden. Der erste wäre, die Beziehung zu Peru ausschließlich als weiteres Element seiner Rivalität mit China zu behandeln und dabei Chinas starke Präsenz im Bergbausektor zu ignorieren – eine Präsenz, die nicht einfach verschwinden wird. Tatsächlich bestätigt bereits die Reaktion auf Rubios Reise diesen Punkt: Die chinesische Botschaft in Lima warnte, ohne ihn namentlich zu erwähnen, davor, die westliche Hemisphäre als „Hinterhof“ irgendeiner Macht zu betrachten, und verteidigte das Recht der lateinamerikanischen Staaten, ihre Partner frei zu wählen.

Der zweite Fehler wäre, die regionale Sicherheitsarchitektur mit einer bereits fest etablierten Verpflichtung gleichzusetzen. Peru gehörte zwar nicht zu den ursprünglichen Unterzeichnern des „Shield of the Americas“, jener Koalition, die Trump im März ins Leben gerufen hatte, doch Rubio formalisierte während dieses Besuchs den Beitritt des Landes. Dies ist eine Entwicklung von tatsächlichem strategischem Gewicht für die Neugestaltung der Bündnisse auf dem amerikanischen Kontinent und keineswegs nur eine protokollarische Geste. Der Beitritt zu einer Koalition führt jedoch nicht automatisch zu operativer Zusammenarbeit: Offen bleibt insbesondere, wie konkret sich die Vereinigten Staaten beteiligen werden, sobald der öffentlichkeitswirksame Fototermin vorüber ist. Auch die Verwirrung um die Bezeichnungen trägt nicht zur Klarheit bei: Die operative militärische Truppe des US Southern Command in der Region, die zuvor unter dem Namen Southern Spear bekannt war, wurde im August in Western Hemisphere Joint Task Force umbenannt – eine Änderung, die verdeutlicht, wie sehr diese Sicherheitsarchitektur noch im laufenden Prozess entwickelt wird.

Zudem sollte berücksichtigt werden, dass sich die Agenda dieser Reise keineswegs auf Sicherheitsfragen beschränkte. Rubio drängte Lima dazu, US-amerikanischen Technologien im Bereich der künstlichen Intelligenz gegenüber chinesischen Angeboten den Vorrang zu geben, und brachte auch eine Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Auswirkungen von El Niño in die bilateralen Gespräche ein. Noch handelt es sich dabei um eher begrenzte Signale, doch sie weisen in eine weiter gefasste Richtung: auf eine Beziehung, die nicht ausschließlich vom Kampf gegen den Drogenhandel und von geopolitischen Blockbildungen abhängt.

Rubio verlässt Lima mit dem Bild, das er brauchte: einem neuen konservativen Verbündeten, der sich Bogotá und Quito, den beiden anderen Stationen seiner Reise, anschließt. Fujimori hingegen bleibt mit dem eigentlichen Problem zurück. Die jüngere Geschichte Perus zeigt, dass kein noch so ausgefeiltes strategisches Kalkül in Washington eine Regierungskrise in Lima auf Dauer überstehen kann. Die Möglichkeit einer echten Annäherung ist vorhanden und heute konkreter als noch vor einem Monat. Ob sie sich jedoch dauerhaft festigen lässt, wird von der politischen Leistungsfähigkeit der Regierung Fujimori abhängen.

First published in: Latinoamérica21 Original Source
Xavier Rodríguez-Franco

Xavier Rodríguez-Franco

Politikwissenschaftler und Absolvent der Zentraluniversität von Venezuela und der Autonomen Universität Barcelona. Er besitzt einen Master-Abschluss in Lateinamerikastudien der Universität Salamanca und ist Analyst für Parlamentsangelegenheiten.

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