DEN HAAG, NETHERLANDS - JUNE 23 2025: NATO Secretary General Mark Rutte gestures during the NATO Summit 2025 Secretary General's Pre-Summit Press Conference at the World Forum

Kann die NATO überhaupt überleben?

Zusammenfassung

Dieses Papier analysiert die aktuellen Herausforderungen, vor denen die NATO steht, und stellt ihre zukünftige Lebensfähigkeit in Frage angesichts sich verändernder geopolitischer Dynamiken. Es hebt die sich entwickelnde Haltung der USA hervor, die durch die Nationale Sicherheitsstrategie 2025 geprägt ist, welche die Selbstständigkeit europäischer Verbündeter und eine reduzierte amerikanische Militärpräsenz in Europa priorisiert und eine breitere „America First“-Politik widerspiegelt.

Russlands anhaltende Ablehnung der NATO-Osterweiterung, insbesondere in Bezug auf die Ukraine, schürt anhaltende Konflikte und bedroht die regionale Stabilität. Die aufkommende Führungsrolle Deutschlands in der europäischen Sicherheit wird untersucht, wobei die zunehmenden Verteidigungszusagen und der strategische kulturelle Wandel von Zurückhaltung zu Einsatzbereitschaft thematisiert werden.

Die geopolitische Schlüsselstellung der Türkei und ihre militärischen Fähigkeiten unterstreichen ihre Bedeutung innerhalb der NATO, trotz jüngster Spannungen. Das Papier geht auch auf den Konflikt um Grönland als Symbol für intra-allianzpolitische Spannungen ein und stellt eine Herausforderung für die kollektiven Verteidigungsprinzipien gemäß Artikel 5 dar.

Letztlich stellt der Ukraine-Krieg einen entscheidenden Härtetest für die NATO dar und nährt Zweifel an der Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit des Bündnisses angesichts interner Spannungen und externer Bedrohungen.

Schlüsselwörter: NATO, Russland, USA, Europa, Sicherheit

Einleitung

Angeblich soll Lord Ismay (Hastings Lionel Ismay), der erste Generalsekretär der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO), einst gesagt haben, die NATO sei aus drei wesentlichen Gründen gegründet worden: um die Amerikaner „drin zu halten“, die Russen „draußen zu halten“ (gemeint war die UdSSR) und die Deutschen „unten zu halten“.[i] Historiker und Experten für internationale Sicherheit sind sich weitgehend einig, dass die NATO ein grundlegender Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur war und während des Kalten Krieges dazu beitrug, angesichts der Rivalität der Großmächte den Frieden auf dem europäischen Kontinent zu wahren. Die amerikanische Präsenz in Europa schreckte nicht nur eine mögliche sowjetische Invasion ab, sondern wirkte zugleich mäßigend auf europäische militärische und politische Ambitionen — insbesondere die der Deutschen.

Heute scheint „die Allianz“ (wie die NATO oft genannt wird) sich dem Ende ihrer Kohärenz zu nähern, aufgrund vieler interner und externer Gründe. Dieses Papier wird einige dieser Gründe untersuchen, obwohl das Thema naturgemäß eine längere und tiefere Auseinandersetzung erfordert.

Die Amerikaner: Noch dabei?

Am 9. Dezember 2025 stellte der republikanische Abgeordnete Thomas Massie aus Kentucky den Gesetzesentwurf H.R. 6508, den NATO Act vor, der die Vereinigten Staaten dazu auffordert, aus der NATO auszutreten. In seiner Erklärung, die bewusst oder unbewusst Lord Ismay zitiert, sagt Massie: „Die NATO ist ein Relikt des Kalten Krieges. Wir sollten aus der NATO austreten und dieses Geld verwenden, um unser eigenes Land zu verteidigen, nicht sozialistische Länder. Die NATO wurde gegründet, um die Sowjetunion zu bekämpfen, die vor über dreißig Jahren zusammengebrochen ist. Seitdem hat die Teilnahme der USA die Steuerzahler Billionen von Dollar gekostet und weiterhin das Risiko eines US-Einsatzes in ausländischen Kriegen zur Folge. Unsere Verfassung hat keine permanenten ausländischen Verstrickungen autorisiert, vor denen unsere Gründerväter uns ausdrücklich gewarnt haben. Amerika sollte nicht die Sicherheitsdecke der Welt sein – besonders wenn wohlhabende Länder sich weigern, für ihre eigene Verteidigung zu bezahlen.“[ii]

Dies ist nur ein kleiner Tropfen in einem viel größeren See von Bedenken der USA hinsichtlich ihrer Beteiligung an der europäischen Sicherheitsarchitektur. Kurz gesagt, scheint es eine formidable Kraft in der US-Politik zu geben, die eine „Neuorientierung“ der US-Außenpolitik und der daraus resultierenden Außen- und Sicherheitsstrategien fordert. Es ist daher nicht überraschend, dass der Präsident der USA kürzlich die neue nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika vorgestellt hat.

Die Nationale Sicherheitsstrategie 2025 (NSS), die von der Trump-Administration veröffentlicht wurde, deutet auf eine Abkehr von der bisherigen Fokussierung der USA auf Europa in der Außen- und Sicherheitspolitik hin und betont eine größere Eigenverantwortung der europäischen Verbündeten sowie eine Priorisierung anderer Regionen.[iii]

Die Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) ordnet die Weltregionen nach Priorität und setzt dabei die westliche Hemisphäre an erste Stelle (aufgewertet von Rang fünf in der NSS von 2017), gefolgt von Asien auf Platz zwei und Europa auf Platz drei — eine Herabstufung gegenüber der zuvor zweiten Position. Diese Neuausrichtung steht im Einklang mit einem „America First“-Ansatz, der Lastenteilung, Nichtinterventionismus und eine engere Definition amerikanischer nationaler Interessen betont und damit eine Überdehnung in Regionen wie Europa vermeiden soll.

Zentrale Elemente, die auf einen weniger stark auf Europa ausgerichteten Ansatz hindeuten, sind unter anderem die Förderung einer stärkeren europäischen Eigenverteidigung. Die Strategie fordert Europa auf, als souveräne Staaten die Hauptverantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen. Zudem plädiert sie für ein Ende der NATO-Erweiterung und verlangt von den Bündnispartnern, eine neue Verteidigungsausgabenquote von 5 Prozent des BIP (bezeichnet als „Haager Verpflichtung“) zu erfüllen — deutlich mehr als das bisherige Ziel von 2 Prozent —, um eine gerechte Lastenteilung sicherzustellen.

Zweitens skizziert die NSS eine begrenzte Rolle der Vereinigten Staaten in Europa. Das amerikanische Engagement wird vor allem als diplomatische Unterstützung für Stabilität beschrieben — etwa durch die Vermittlung eines Endes des Ukraine-Kriegs und die Förderung von Beziehungen zu Russland im Hinblick auf Wiederaufbau und strategische Stabilität — und nicht als langfristige militärische Verpflichtung. Das Dokument kritisiert Europas wirtschaftlichen Niedergang, migrationspolitische Herausforderungen sowie einen EU-„Transnationalismus“, der nationale Souveränität untergrabe, positioniert die Vereinigten Staaten jedoch als Unterstützer ausschließlich jener Partner, die politisch auf einer Linie liegen, ihre Märkte öffnen und gegen feindliche Praktiken wie Merkantilismus vorgehen.

Mit Blick auf die westliche Hemisphäre betont die NSS hingegen die Vorrangstellung der USA durch ein „Trump-Korollar“ zur Monroe-Doktrin. Der Fokus liegt dabei auf Migrationskontrolle, der Sicherung von Lieferketten und der Zurückdrängung gegnerischen Einflusses durch aktive militärische und wirtschaftliche Maßnahmen — insbesondere in Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik.

Dies stellt eine Abkehr von früheren NSS-Dokumenten dar, die Europa häufig in den Mittelpunkt rückten — bedingt durch die NATO-Verpflichtungen und Bedrohungen wie Russland — und markiert stattdessen eine stärker transaktionale und zurückhaltende Haltung der USA gegenüber der Region.[iv]

In Bezug auf diesen letzten Punkt bestätigt die jüngste Nationale Verteidigungsstrategie der Vereinigten Staaten die Abkehr von Europa.[v] Die Strategie sieht vor, dass Europa die Hauptverantwortung für seine konventionelle Verteidigung übernimmt, während die Vereinigten Staaten zwar weiterhin kritische, jedoch begrenztere Unterstützung leisten. Dazu zählt auch die Unterstützung der ukrainischen Verteidigung, die primär als europäische Aufgabe verstanden wird. Darüber hinaus bleibt Russland dem Dokument zufolge eine anhaltende, jedoch handhabbare Bedrohung für die östlichen NATO-Mitglieder.

Die Russen: Schon drin?

Der seit nunmehr vier Jahren andauernde Krieg in der Ukraine hat es der russischen Armee ermöglicht, erhebliche Geländegewinne zu erzielen. Russische Experten und Militärberater drängen auf die Kontrolle Odessas (hier). Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint es wahrscheinlich, dass die Russische Föderation so viel ukrainisches Territorium wie möglich unter ihre Kontrolle bringen will und dass der Mangel an wirksamer Diplomatie dazu führt, dass der Ausgang des Krieges eher auf dem Schlachtfeld als in den Verhandlungsräumen entschieden wird.

Ungeachtet der gängigen Narrative, die fortlaufend von CNN oder der BBC verbreitet werden, haben die Russen ihre grundlegende Forderung nicht wesentlich verändert — nämlich dass der Ukraine eine NATO-Mitgliedschaft nicht gestattet werden dürfe. Westliche Gesellschaften und ihre politischen Eliten mögen angesichts solcher Forderungen moralische Empörung empfinden. Die Fakten sind jedoch schmerzhaft einfach: Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Wiedervereinigung Deutschlands vereinbart und von der damaligen Sowjetunion akzeptiert — unter der Bedingung, dass sich die NATO nicht nach Osten ausdehne (hier). Gleichwohl erfolgte in der Folge eine mehrfach wiederholte Osterweiterung der NATO.

Aus Sicht des Kremls stellt eine mögliche NATO-Mitgliedschaft der Ukraine die letzte rote Linie dar, deren Überschreitung Russland nicht zulassen kann. Vereinfacht gesagt macht die geografische Lage der Ukraine sie zu einem strategischen Faktor für die NATO. Zudem ist zu berücksichtigen, dass Länder wie die Türkei, Polen, die drei baltischen Staaten und jüngst sogar Finnland bereits Mitglieder des Bündnisses sind.[vi]

Von entscheidender Bedeutung ist, dass russische Sicherheits- und Militärexperten dies als fundamentale Bedrohung für Moskau und sein europäisches Umfeld betrachten. (Russland gehört schließlich auch zu Europa.) Der entscheidende Moment kam auf dem NATO-Gipfel im April in Bukarest, als die Bündnisführer — trotz des Widerstands Frankreichs und Deutschlands — erklärten, dass die Ukraine (und Georgien) „Mitglieder der NATO werden“ würden. Dabei handelte es sich nicht um eine sofortige Einladung, sondern um die Zusage einer künftigen Mitgliedschaft, sobald die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt seien; die Vereinigten Staaten hatten sich nachdrücklich für einen sogenannten Membership Action Plan (MAP) eingesetzt. Die Ukraine hatte im Januar 2008 formell einen MAP beantragt.[vii]

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Quelle: https://www.nationsonline.org/oneworld/map/central-europe-map.htm

Laut des Europäischen Parlaments identifizierte Moskau bereits im Jahr 2014 mehrere Herausforderungen als Bedrohungen für seine nationale Sicherheit, wobei der Fokus insbesondere auf dem Westen lag.

Erstens richtet sich dies gegen Russlands unabhängige Außenpolitik. Russland sieht seine eigenständige Außen- und Innenpolitik mit Widerstand seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten konfrontiert, die bestrebt seien, ihre Vorherrschaft in der Weltpolitik aufrechtzuerhalten und Russland durch politischen, wirtschaftlichen, militärischen und informationellen Druck „einzudämmen“.[viii]

Zweitens betrachtete Russland die Erweiterung der NATO, die Stationierung militärischer Infrastruktur in der Nähe seiner Grenzen, die „offensiven Fähigkeiten“ des Bündnisses sowie die Tendenz, dass die NATO globale Funktionen übernimmt, stets als direkte Herausforderungen für seine Sicherheit.

Drittens äußerte Russland Besorgnis über US-Initiativen wie das globale Raketenabwehrsystem, sogenannte Global-Strike-Fähigkeiten sowie die Militarisierung des Weltraums, die aus seiner Sicht darauf abzielen, seine strategische Abschreckungsfähigkeit zu untergraben.

Viertens wies Russland die westliche Kritik an seiner Politik in den postsowjetischen Staaten zurück, die von Moskau häufig als neoimperialistisch beschrieben wird, und nimmt die Erweiterung von NATO und EU sowie den Ausbau kooperativer Beziehungen in der gemeinsamen Nachbarschaft als Ausdehnung westlicher Einflusszonen auf Kosten Russlands wahr.

Fünftens verurteilte Moskau Versuche, durch sogenannte „Farbrevolutionen“ Regimewechsel herbeizuführen, da es diese als Bestrebungen betrachtet, seine innere Stabilität zu untergraben — mitunter unter Einsatz militärischer Mittel. In diesem Zusammenhang verweist es auf Ereignisse in Georgien (2003), der Ukraine (2004 und 2014, „Revolution der Würde“), Kirgisistan (2005) sowie auf den Arabischen Frühling (2010–2012).

Sechstens sah der Kreml eine zunehmende Konkurrenz mit dem Westen, einschließlich konkurrierender Wertesysteme und Gesellschaftsmodelle, und lehnt die normative Dimension des außenpolitischen Handelns der EU ab, da er darin den Versuch erkennt, Russland eigene Normen und Werte aufzuzwingen.

Darüber hinaus war Russland mit wirtschaftlichen Sanktionen konfrontiert sowie mit finanz-, handels-, investitions- und technologiepolitischen Maßnahmen, die der Westen als Instrumente zur Bewältigung geopolitischer Herausforderungen und zur Eindämmung alternativer Machtzentren wie Russland einsetzt.

Schließlich betonte Russland in seinen strategischen Dokumenten durchgängig den Westen (einschließlich der EU) als zentrale Herausforderung für seine Großmachtambitionen und seine Sicherheit.

In der jüngsten Nationalen Sicherheitsstrategie der Russischen Föderation, die im Juli 2021 von Präsident Putin gebilligt wurde — also noch vor Beginn des Ukraine-Kriegs — werden die NATO und westeuropäische Staaten von Russland als Quellen von Druck und Bedrohungen wahrgenommen.[ix] In der Strategie heißt es, Versuche, Druck auf Russland, seine Verbündeten und Partner auszuüben — darunter der Ausbau der militärischen Infrastruktur der NATO in der Nähe russischer Grenzen sowie die Intensivierung von Aufklärungsaktivitäten — trügen zur Zunahme militärischer Gefahren und Bedrohungen für Russland bei. Zudem wird der Wunsch westlicher Staaten erwähnt, ihre Hegemonie aufrechtzuerhalten, was mit einer Krise wirtschaftlicher Entwicklungsmodelle, wachsenden Ungleichheiten und sozialer Disparität, Versuchen der Einschränkung staatlicher Rolle sowie einer Verschärfung politischer Probleme und zwischenstaatlicher Widersprüche in Verbindung gebracht wird.

Das Dokument stellt ferner fest, dass einige Staaten Russland als Bedrohung oder sogar als militärischen Gegner betrachten und dass es Bestrebungen gebe, Desintegrationsprozesse innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) anzustoßen, um Russlands Verbindungen zu seinen traditionellen Verbündeten zu untergraben. Darüber hinaus werden „unfreundliche Handlungen“ ausländischer Staaten — einschließlich westlicher Länder — als Versuche interpretiert, sozioökonomische Probleme Russlands auszunutzen, um die innere Einheit zu schwächen und Protestbewegungen zu radikalisieren.

Zudem heißt es, Informationskampagnen ausländischer Staaten zielten darauf ab, ein feindliches Bild Russlands zu zeichnen, die Nutzung der russischen Sprache einzuschränken, russische Medienaktivitäten zu verbieten und Sanktionen gegen russische Sportler zu verhängen. Diese Maßnahmen werden im Dokument als unbegründete Anschuldigungen und Diskriminierung russischer Bürger sowie im Ausland lebender Landsleute beschrieben.

Insgesamt werden die NATO und die westeuropäischen Staaten als Akteure dargestellt, die eine Politik der Eindämmung Russlands verfolgen, seine Souveränität untergraben und sich in seine inneren Angelegenheiten einmischen — Maßnahmen, die Russland als Bedrohung für seine nationale Sicherheit und staatliche Existenz begreift.

Wie hier bereits ausgeführt, scheint der Ausgang des Ukraine-Krieges aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Schlachtfeld entschieden zu werden. Es ist davon auszugehen, dass Russland seine territoriale Kontrolle weiter ausdehnen wird — möglicherweise auch unter Einschluss Odessas — und letztlich bestrebt ist, so viel ukrainisches Territorium wie möglich unter direkte oder indirekte Kontrolle zu bringen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es äußerst unwahrscheinlich, dass die Ukraine ihre territoriale Integrität im Zustand vor 2014 und vor der Annexion der Krim jemals vollständig wiedererlangen wird.

Die Deutschen: Sind sie aufgestiegen?

In einer meiner jüngeren Veröffentlichungen (hier) habe ich die These vertreten, dass die deutsche Führung seit einiger Zeit die Idee einer „besonderen Verantwortung“ für Europa und die europäische Sicherheit propagiert.

Zur kurzen Erinnerung: Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz erläuterte am 24. August 2022 an der Karls-Universität in Prag die Vorstellungen der deutschen Führung zu den europäischen Verteidigungsanstrengungen. Seine Rede zeichnete ein umfassendes Bild der Zukunft der Europäischen Union zu Beginn des dritten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts — vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine. Unter den vier von Scholz genannten „revolutionären“ Ideen stechen insbesondere zwei hervor. Erstens plädierte er angesichts einer möglichen Erweiterung der Europäischen Union auf bis zu 35 Mitgliedstaaten für einen Übergang zur Mehrheitsentscheidung in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Zweitens betonte er mit Blick auf die europäische Souveränität, dass die Europäer in allen Bereichen eigenständiger würden, mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernähmen, enger zusammenarbeiteten und geschlossener ihre Werte und Interessen weltweit verteidigten. In praktischer Hinsicht verwies Scholz auf die Notwendigkeit einer einheitlichen Kommando- und Kontrollstruktur für die europäischen Verteidigungsanstrengungen.[x]

Deutschlands selbst beanspruchte besondere Rolle ist wohl Ausdruck einer Neubewertung seiner strategischen Kultur — eines Übergangs von „Zurückhaltung zu Bereitschaft“.[xi] Nach der Wiedervereinigung 1990 zeigte sich Deutschland in sicherheitspolitischen Fragen zurückhaltend und bevorzugte einen multilateralen Ansatz im Rahmen der EU und der NATO, während es militärische Entschlossenheit aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und einer politischen Kultur, die Macht eher mit Schuld als mit Verantwortung verband, vermied. Ereignisse wie die Annexion der Krim im Jahr 2014 und die Invasion in die Ukraine 2022 erzwangen jedoch eine „tiefgreifende Transformation“. Führende Politiker argumentierten, dass Deutschlands bisherige „strategische Ambiguität“ in einer Welt revisionistischer Bedrohungen nicht länger tragfähig sei.[xii]

Der frühere Bundeskanzler Scholz bezeichnete dies als einen „Handlungsauftrag“ und nicht lediglich als Beschreibung eines Wandels; dabei betonte er Deutschlands Verpflichtung, den Frieden zu sichern und den Zusammenhalt in der EU zu stärken.[xiii] Bundeskanzler Merz hat daran angeknüpft und erklärt, dass „alles andere der äußeren Sicherheit untergeordnet“ sei und dass Europa nach Jahren unzureichender Leistungen deutsche Führung erwarte.[xiv]

Deutsche Entscheidungsträger rechtfertigen diese Rolle in der Regel mit einer Kombination aus geopolitischen, wirtschaftlichen und normativen Argumenten, die häufig mit konkreten politischen Maßnahmen wie einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben und institutionellen Reformen verknüpft werden.

Erstens: geopolitische Notwendigkeit und Bedrohungsreaktion. Deutschland stellt sich als besonders geeignet dar, existenziellen Bedrohungen wie der russischen Aggression zu begegnen — nicht zuletzt aufgrund seiner zentralen Lage in Europa und der geografischen Nähe zu Konfliktzonen. Scholz argumentierte, Deutschland müsse als der „Garant europäischer Sicherheit auftreten, den unsere Partner von uns erwarten“, die internationale Ordnung gegen Autokratien verteidigen und innerhalb der EU als Brückenbauer fungieren.[xv] Merz betonte die Notwendigkeit, das durch nachlassendes US-Engagement entstehende Vakuum zu füllen. Deutschland sehe sich einem „doppelten Schock“ aus russischem Imperialismus und amerikanischem Rückzug gegenüber, was eine Führungsrolle erforderlich mache, um die transatlantische Sicherheit zu bewahren.[xvi] Dazu gehöre auch die Stärkung der Abschreckung innerhalb der NATO: Deutschland bekennt sich weiterhin zur nuklearen Teilhabe und betrachtet die Bündnissolidarität als Teil seiner „Staatsräson“.[xvii]

Zweitens: wirtschaftliche Stärke und Ressourcenkapazität. Als größte Volkswirtschaft Europas begründet Deutschland seine Rolle damit, seine finanzielle Schlagkraft für Verteidigungsinvestitionen einzusetzen und die Ausgaben bis 2029 auf 3 bis 3,5 Prozent des BIP zu erhöhen — womit es das NATO-Ziel von 2 Prozent übertreffen und Frankreich sowie das Vereinigte Königreich hinter sich lassen würde.[xviii]

Berichten zufolge hat Merz jüngst die verfassungsrechtlich verankerte Schuldenbremse gelockert, um 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung bereitzustellen. Er argumentiert, dies ermögliche es Deutschland, eine führende Rolle bei der systemischen Erneuerung der europäischen Sicherheitsarchitektur zu übernehmen, ohne die Partner übermäßig zu belasten.[xix] Politiker wie Scholz und Merz stellen dies als eine Verantwortung dar, die Deutschlands Potenzial entspricht — wirtschaftliche Stärke werde so in sicherheitspolitische Führung übersetzt, anstatt sich allein in fiskalischer Disziplin zu erschöpfen.[xx]

Drittens stellt sich die Frage nach historischer Verantwortung und der Weiterentwicklung der strategischen Kultur. Vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit plädieren die heutigen politischen Entscheidungsträger für einen Wandel vom „Zaungast“ zum „Taktgeber“ und definieren Macht neu — als Verantwortung statt als Aggression.[xxi] Dazu gehört die Überwindung „überholter Annahmen“ über eine postkaltekriegszeitliche Friedensordnung sowie die Hinwendung zu einer „geopolitisch und sicherheitspolitisch geprägten Leitnarrative“. Scholz betonte Deutschlands Pflicht, multilaterale Lösungen zu fördern und Isolationismus zurückzuweisen, während Merz die Notwendigkeit hervorhebt, die öffentliche Wahrnehmung militärischer Gewalt als Instrument zur Stabilitätssicherung neu zu gestalten. Dieses Narrativ fügt sich in breitere Wertvorstellungen ein — etwa die Verteidigung von Demokratie, Menschenrechten und einer regelbasierten internationalen Ordnung — und positioniert Deutschland als Hüter europäischer Einheit.[xxii]

Was ist mit der Türkei?

Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO. Der Beitritt erfolgte in erster Linie, um während des Kalten Krieges sowjetischen Bedrohungen entgegenzuwirken. Bis heute bleibt das Land aufgrund seiner einzigartigen geopolitischen Lage, seiner militärischen Stärke und seiner Beiträge zu den Zielen des Bündnisses ein zentraler Verbündeter.

Was die geografische Lage betrifft, so erstreckt sich die Türkei über Europa und Asien und fungiert als südöstlicher Anker der NATO. Sie kontrolliert die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen, die das Schwarze Meer mit dem Mittelmeer verbinden.[xxiii] Auf Grundlage des Montreux-Abkommens von 1936 reguliert die Türkei den Schiffsverkehr durch diese Wasserstraßen und kann damit militärische Bewegungen Russlands (sowie anderer Nicht-Schwarzmeer-Staaten) wirksam begrenzen — eine Rolle, die angesichts der russischen Aktivitäten in der Ukraine und der verstärkten Präsenz im Schwarzen Meer noch an Bedeutung gewonnen hat.[xxiv] Zugleich grenzt die Türkei an Schlüsselregionen wie den Nahen Osten (Syrien, Irak, Iran), den Kaukasus und Europa, was der NATO ermöglicht, Einfluss zu projizieren und Bedrohungen aus unterschiedlichen Richtungen zu begegnen — darunter auch russischen A2/AD-Strategien (Anti-Access/Area Denial).

In militärischer Hinsicht verfügt die Türkei über die zweitgrößte stehende Armee innerhalb der NATO und stellt damit erhebliche militärische Masse zur Verteidigung ausgedehnter Grenzen und zur Aufrechterhaltung von Operationen bereit, bei denen anderen Verbündeten möglicherweise die notwendige Größe fehlt.

Darüber hinaus beherbergt die Türkei zentrale NATO-Einrichtungen, darunter den Luftwaffenstützpunkt Incirlik (auf dem rund 50 US-Atomwaffen gelagert werden und der Operationen im Nahen Osten unterstützt), das Allied Land Command-Hauptquartier in Izmir, AWACS-Einrichtungen in Konya sowie eine Radarstation in Kürecik für das ballistische Raketenabwehrsystem der NATO.[xxvi] Diese Fähigkeiten stärken die schnelle Reaktionsfähigkeit und Abschreckung des Bündnisses in Europa, im Nahen Osten und darüber hinaus.

Die Türkei hat sich aktiv an zahlreichen NATO-Operationen beteiligt — von der Entsendung von 4.500 Soldaten in den Koreakrieg (was maßgeblich zur Sicherung ihrer NATO-Mitgliedschaft beitrug) bis hin zu führenden Rollen in Afghanistan (ISAF und Resolute Support), im Irak, auf dem Balkan sowie bei Mittelmeer-Patrouillen wie der Operation Active Endeavour.

In jüngerer Zeit hat sie militärische Unterstützung für die Ukraine bereitgestellt, darunter Bayraktar-TB2-Drohnen, die sich im Einsatz gegen russische Streitkräfte als wirksam erwiesen haben. Zudem war die Türkei Mitgründer der Schwarzmeer-Getreideinitiative, um angesichts des andauernden Krieges die globale Ernährungssicherheit zu gewährleisten.[xxvii] Darüber hinaus arbeitet die Türkei bei der Terrorismusbekämpfung gegen Gruppen wie den sogenannten Islamischen Staat (IS) und die PKK mit und trägt zur Stabilisierung von Regionen wie dem Südkaukasus und dem östlichen Mittelmeerraum bei.[xxviii]

Der wachsende türkische Verteidigungssektor produziert kostengünstige, kampferprobte Ausrüstung — darunter Drohnen und andere Waffensysteme — und bietet der NATO damit Alternativen zu teureren westlichen Produkten. Zugleich ermöglicht er eine rasche Produktion für Partner wie die Ukraine.[xxix] Diese industrielle Kapazität stärkt die Resilienz des Bündnisses insgesamt und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten.

Über seine militärische Stärke hinaus erweitert die Türkei die diplomatische Reichweite der NATO durch kulturelle, wirtschaftliche und politische Verbindungen nach Afrika, in den Nahen Osten, nach Zentralasien und Südostasien — Regionen, in denen westliche Verbündete häufig mit Glaubwürdigkeitsproblemen konfrontiert sind. Ankara pflegt Beziehungen auch zu schwierigen Regimen, um sich Ressourcen und Energieabkommen zu sichern sowie russischen oder chinesischen Einfluss einzudämmen, und fungiert damit als Brücke für das Bündnis.

In jüngerer Zeit sind die Beziehungen der Türkei zur NATO jedoch unter Druck geraten — etwa durch den Kauf russischer S-400-Luftabwehrsysteme (der zu US-Sanktionen und zum Ausschluss aus dem F-35-Programm führte), durch Spannungen mit Griechenland im Zusammenhang mit Zypern und dem östlichen Mittelmeer sowie durch Verzögerungen bei der Ratifizierung der NATO-Mitgliedschaft Finnlands und Schwedens (die bis 2024 beigelegt wurden).

Es lässt sich festhalten, dass die Türkei eine strategisch bedeutende Rolle für die europäische Sicherheit spielt und ihre Führung diese Position gegenüber den europäischen Partnern gezielt nutzt. Angesichts ihrer geografischen Lage und ihres militärischen Potenzials wird Ankara maßgeblichen Einfluss auf die künftige Entwicklung der NATO ausüben.

Das Dilemma Grönlands

Besonders brisant erscheint in diesen Tagen die Behauptung des US-Präsidenten in Bezug auf Grönland. Stand 27. Januar 2026 haben sich die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten, Dänemark und Grönland verschärft, nachdem Washington erneut Interesse daran bekundet hat, seine strategische Präsenz auf der arktischen Insel auszuweiten. Präsident Donald Trump soll ein Ultimatum gestellt haben, mit dem Ziel, größere Kontrolle über Teile Grönlands zu erlangen, um Militärstützpunkte auszubauen und dem russischen Einfluss in der Region entgegenzuwirken — einschließlich möglicher Einschränkungen russischer Bohrrechte. Dies knüpft an frühere US-Vorstöße an, etwa Trumps Vorschlag aus dem Jahr 2019, Grönland vollständig zu kaufen, der von Dänemark zurückgewiesen wurde.

Bereits heute betreiben die Vereinigten Staaten in Grönland die Pituffik Space Base für Frühwarn- und Raketenabwehrsysteme. Die aktuellen Forderungen zielen jedoch darauf ab, diese Präsenz vor dem Hintergrund des geopolitischen Wettbewerbs in der Arktis mit Russland und China weiter auszubauen.

Jüngste Gespräche in Washington zwischen US-amerikanischen und dänischen Vertretern führten zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die eine diplomatische Lösung ausloten soll. Die Interpretationen gehen jedoch auseinander: US-Vertreter, darunter Botschafter Leavitt, stellen die Gespräche als Vorbereitung einer Übertragung oder erweiterten Kontrolle dar, während Dänemark betont, dass es weder eine Einigung noch einen Verkauf gebe. So berichtet etwa die New York Times, Dänemark könne den Vereinigten Staaten die Souveränität über ausgewählte Landflächen für Militärstützpunkte übertragen — nach dem Vorbild von Regelungen wie in Zypern —, um die Verteidigungsfähigkeit in der Arktis zu stärken.[xxx]

Der grönländische Premierminister hingegen hat die Souveränität der Insel als „rote Linie“ bezeichnet und jede vollständige Übertragung entschieden zurückgewiesen.[xxxi] Berichten zufolge hat Dänemark als Reaktion seine Truppenpräsenz in Grönland verstärkt und zugleich bekräftigt, dass das Territorium nicht zum Verkauf stehe. Um die Lage weiter anzuheizen, stellte Trump zudem Dänemarks rechtliche Ansprüche infrage und sorgte damit für zusätzliche Kontroversen.[xxxii]

Dies hat die Beziehungen zwischen den USA und der EU wohl weiter belastet, da Europa gegenüber Trumps Vorgehen eine deutlich härtere Haltung einnimmt. Als NATO-Mitglied und über Dänemark mit der EU verbunden, hat Grönlands Status Forderungen ausgelöst, die Verbündeten sollten ihre sicherheitspolitische Präsenz in der Arktis verstärken.[xxxiii] Einige europäische Staats- und Regierungschefs befürchten, dies könnte zu einer Lockerung der transatlantischen Bindungen oder zu einer Vertiefung innerer Spannungen innerhalb der NATO führen.[xxxiv]

In einer bemerkenswerten Wendung äußerten mehrere europäische Führungspersönlichkeiten scharfe Kritik an Trump und seinen Ansprüchen auf Grönland. In einer gemeinsamen Erklärung wiesen europäische Staats- und Regierungschefs die Forderungen kollektiv zurück: „Grönland gehört seinen Menschen. Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen“, […] „Sicherheit in der Arktis muss daher gemeinsam und in Abstimmung mit den NATO-Verbündeten, einschließlich der Vereinigten Staaten, gewährleistet werden, indem die Prinzipien der UN-Charta gewahrt bleiben — darunter Souveränität, territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit von Grenzen. Dies sind universelle Prinzipien, und wir werden nicht aufhören, sie zu verteidigen.“[xxxv]

Hier liegt das grundlegende Dilemma: Der Kern der durch die NATO garantierten Sicherheit (zumindest in rechtlicher Hinsicht) ist Artikel 5 des Washingtoner Vertrags, der sogenannte Casus Foederis.[xxxvi] Artikel 5 lautet: „Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird, und sie kommen folglich überein, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen anerkannten Rechts auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung der oder den angegriffenen Parteien Beistand leistet, indem sie unverzüglich einzeln und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen ergreift, die sie für erforderlich erachtet, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.“

Ursprünglich als defensives Militärbündnis konzipiert, wurde die NATO nach dem Willen ihrer Gründer geschaffen, um ihre Mitgliedstaaten vor äußeren Bedrohungen zu schützen. Sollte sich jedoch ein Mitgliedstaat gegen die anderen wenden, drohte das Bündnis funktionsunfähig zu werden — vergleichbar mit dem Warschauer Pakt während des Kalten Krieges, der letztlich als Instrument zur Kontrolle schwächerer Staaten diente. Ein solches Szenario würde die Existenz der NATO ernsthaft gefährden. Historische Erfahrungen legen nahe, dass auf Zwang beruhende Institutionen auf Dauer nicht bestehen.

Fazit

Es ist unerlässlich anzuerkennen, dass die NATO derzeit — wenn auch indirekt — in einen Konflikt mit Russland eingebunden ist. Diese Situation ist bedeutsam, da sie als Prüfstein für die Leistungsfähigkeit des Bündnisses dient. Gegenwärtig scheint es, als gehe die NATO nicht als Sieger aus diesem Kräftemessen hervor. Zudem lässt sich — wie ich bereits in einer früheren Analyse (hier abrufbar) argumentiert habe — plausibel annehmen, dass Russland sein primäres Ziel erreichen wird: sicherzustellen, dass die Ukraine nicht der NATO beitritt. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass Russland seine territorialen Gewinne behält und in gewisser Weise Einfluss auf das politische System ausübt, das sich in der Ukraine nach dem Konflikt herausbilden wird.

Vor diesem Hintergrund stellen sich mehrere zentrale Fragen: Wird ein künftiger Frieden nach Beendigung der Kampfhandlungen tragfähig sein? Wird er die nationalen Interessen aller beteiligten Akteure angemessen berücksichtigen? Wird er einen tragfähigen Kompromiss bieten? Besteht die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr zu einer Konfrontationslage, die an die Zeit des Kalten Krieges zwischen westeuropäischen Staaten und Russland erinnert? Und sollte sich ein solches Szenario eines erneuten Kalten Krieges abzeichnen — wird die NATO weiterhin als wirksames Instrument wahrgenommen werden? Schließlich stellt sich angesichts der strategischen Schwerpunktverlagerung der Vereinigten Staaten auf den Fernen und Mittleren Osten die Frage, ob Washington dauerhaft bereit sein wird, sich im Rahmen von Institutionen wie der NATO an der europäischen Sicherheitsarchitektur zu beteiligen.

Referenzen
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First published in: World & New World Journal
Krzysztof Śliwiński

Krzysztof Śliwiński

Dr. Krzysztof Feliks Śliwiński ist außerordentlicher Professor am Institut für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen der Hong Kong Baptist University (Prof. Krzysztof Śliwiński) und Inhaber des Jean-Monnet-Lehrstuhls. Er promovierte 2005 am Institut für Internationale Beziehungen der Universität Warschau. Seit 2008 ist er an der Hong Kong Baptist University tätig. Er hält regelmäßig Vorlesungen zu europäischer Integration, internationaler Sicherheit, internationalen Beziehungen und Global Studies. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die britische und polnische Außen- und Sicherheitspolitik, Sicherheits- und Strategiestudien, traditionelle und nicht-traditionelle Sicherheitsfragen, künstliche Intelligenz und internationale Beziehungen, europäische Politik und die Europäische Union, Theorien der europäischen Integration, Geopolitik sowie Lehre und Lernen.

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